IW-Chef Hüther fordert längere Arbeitszeiten in Deutschland

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, fordert längere statt kürzerer Arbeitszeiten in Deutschland. Ansonsten drohe eine Stagflation.
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© Calado / Adobe Stock

IW-Chef Hüther fordert längere Arbeitszeiten in Deutschland

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, fordert längere statt kürzerer Arbeitszeiten in Deutschland. Ansonsten drohe eine Stagflation.

Die Diskussion um die Arbeitszeiten in Deutschland ist in vollem Gange. Während manche kürzere und flexiblere Arbeitszeiten fordern, zum Beispiel in Form einer Vier-Tage-Woche, bestehen andere auf einer Ausweitung der Arbeitszeiten, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

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Zur zweiten Gruppe gehört auch Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). In einem Interview mit der Rheinischen Post äußerte Hüther Bedenken darüber, Deutschland könne angesichts der jüngsten Schocks wie Corona oder den Ukraine-Krieg wirtschaftliche Probleme bekommen, wie es zuletzt vor 25 Jahren der Fall war, als Deutschland als „kranker Mann Europas“ bezeichnet worden war. Zwar erweise sich die deutsche Wirtschaft immer wieder als außerordentlich flexibel, doch gebe es angesichts der hohen Energiepreise sowie der zu China, aber auch zu Russland bestehenden Abhängigkeiten große Herausforderungen.

„In Deutschland gibt es eher zu wenige Arbeitskräfte als zu viele.“

Hüther erklärte außerdem, derzeit gebe es in Deutschland eher zu wenige Arbeitskräfte als zu viele. Den bestehenden Fachkräftemangel ausschließlich durch Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte auszugleichen, sieht Hüther angesichts der seiner Meinung nach dadurch entstehenden hohen Integrationskosten kritisch.

Schon 2023 fehlen 4,2 Milliarden Arbeitsstunden

Bereits in diesem Jahr würden rund 4,2 Milliarden Arbeitsstunden fehlen. Diese werde man nicht durch Zuwanderung bekommen. Schließlich gebe es in den umliegenden Ländern der nördlichen Hemisphäre die gleichen Probleme – überall herrsche Fachkräftemangel.

Mehr Arbeiten: Schweden und die Schweiz als Vorbilder

Als Alternative schlug Hüther vor, wieder mehr zu arbeiten. Ein Vorbild dabei können die Schweiz oder Schweden sein. In beiden Ländern arbeite eine Vollzeitkraft rund 300 Stunden pro Jahr mehr als in Deutschland. Nach Zahlen des Informationsdienstes des Instituts der deutschen Wirtschaft lag die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit aller Arbeitnehmer (Vollzeit und Teilzeit) in Schweden im Jahr 202 bei 1764 Stunden, während sie in Deutschland 1574 Stunden betrug, also 190 Stunden weniger.

Es bedürfe einer Ausweitung der Arbeitszeiten anstatt unrealistischer Wünsche wie der nach einer Vier-Tage-Woche, so Hüther. Realisierbar sei das über die Wochenarbeitszeit oder geänderte Urlaubsregelungen, was in Zeiten gestiegener Arbeitszeit- und Arbeitsortsouveränität durchaus vermittelbar sei.

Droht ohne Verlängerung der Arbeitszeiten eine Stagflation?

Ohne eine entsprechende Verlängerung der Arbeitszeiten seien in den kommenden Jahren in Deutschland nur noch Wachstumsraten von 0,5 bis 0,75 Prozent pro Jahr möglich. Dabei werde sich die Inflation bei drei bis dreieinhalb Prozent einpendeln. In Kombination ergäbe sich eine dauerhafte Stagflation, die von niemandem gewünscht sei, wie Hüther ausführte.



Verfasst von Christian Kunz

Christian verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement, Produktmanagement sowie agiler Projektentwicklung, die er in verschiedenen Unternehmen erworben hat.