Arbeitszeit in Deutschland erreicht Höchstwert seit 1991 – Frauen tragen maßgeblich zum Anstieg bei

Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Person in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen und liegt aktuell bei fast 29 Stunden pro Woche.
Arbeitszeit im Bürogebäude

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Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Person in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen und liegt aktuell bei fast 29 Stunden pro Woche, was den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung darstellt.

Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) hat aktuelle Auswertungen dazu veröffentlicht. Bei der Berechnung wurden alle Personen zwischen 20 und 64 Jahren berücksichtigt, unabhängig von ihrem aktuellen Erwerbsstatus.

Frauen haben ihren Arbeitsumfang deutlich erhöht. Im Jahr 1991 leisteten Frauen durchschnittlich etwa 19 Wochenstunden. Bis 2022 stieg dieser Wert auf über 24 Stunden. Dieser Zuwachs ist auf eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen zurückzuführen. Der zunehmende Umfang an Teilzeitarbeit konnte durch einen starken Anstieg des Anteils erwerbstätiger Frauen ausgeglichen werden. Der Anteil erwerbstätiger Frauen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten um fast ein Drittel erhöht. Ein weiteres Wachstumspotenzial ist gegeben, weil die von Frauen und insbesondere Müttern als ideal angesehene Arbeitszeit höher ist als die derzeit realisierte Arbeitszeit. Reformen in der Familienpolitik wie der bedarfsgerechte Ausbau der Kindertagesbetreuung sind wichtige Voraussetzungen, damit Frauen und Männer Erwerbstätigkeit und Familie besser miteinander verbinden können.

Bei den Männern zeigen sich im Vergleich zum Zeitraum seit 1991 nur geringfügige Veränderungen der Arbeitszeiten. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit sank zunächst ab, weil die wirtschaftliche Schwächephase nach der Wiedervereinigung, besonders in Ostdeutschland, zahlreiche Betriebsschließungen mit sich brachte. Seit dem Tiefpunkt Mitte der 2000er Jahre ist ein erneuter Anstieg festzustellen, der lediglich durch die Coronapandemie unterbrochen wurde. Die Daten zeigen, dass Männer zwar häufiger erwerbstätig sind als 1991, insbesondere im höheren Alter. Allerdings arbeiten die erwerbstätigen Männer im Durchschnitt 2,6 Stunden pro Woche weniger. Insgesamt gleichen sich diese beiden Faktoren aus, sodass die Arbeitszeit pro Kopf bei Männern heute annähernd auf dem Niveau von vor 30 Jahren liegt.

Aus den Daten ergibt sich insgesamt ein positiver Trend. Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf sind gestiegen, was vor allem auf die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen zurückzuführen ist. Der Abstand zwischen den Geschlechtern hat sich im beobachteten Zeitraum deutlich verringert. Arbeiteten Frauen 1991 im Durchschnitt rund 14 Stunden weniger als Männer, beträgt der Unterschied heute nur noch etwas mehr als 9 Stunden.



Verfasst von Christian Kunz

Christian verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement, Produktmanagement sowie agiler Projektentwicklung, die er in verschiedenen Unternehmen erworben hat.