Gegen den richtigen ärztlichen Rat krank zur Arbeit zu gehen, stellt in Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem dar. Welche Gründe rechtfertigen ein Fernbleiben? Und wann ist es womöglich besser, trotz gesundheitlicher Einschränkungen den Arbeitsplatz aufzusuchen? Erfahren Sie in unserem Artikel mehr zum Begriff des Präsentismus, dem Unterschied von Präsentismus und Absentismus und der Motivation trotz Krankheit der Arbeit nachzugehen.

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Präsentismus im Unternehmen

Was bedeutet Präsentismus?

Unter Präsentismus (engl. presenteeism) ist in Deutschland nach Aronsson, Gustafson und Dallner die Verhaltensweise zu verstehen, trotz verminderter Arbeitsfähigkeit krank zur Arbeit zu gehen. Die Symptomatik und Art der Erkrankung sind dabei so spezifisch ausgeprägt, sodass man zur erforderlichen Diagnose und der Behandlung einen Arzt aufzusuchen muss.

Die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit ist bei Präsentismus für die Betroffenen mit negativen Auswirkungen auf die Psyche oder den Körper verbunden.

Wie unterscheiden sich Präsentismus und Absentismus?

Im Vergleich zum Präsentismus wird beim Absentismus die eigene krankheitsbedingte verminderte Leistungsfähigkeit erkannt und bewertet. Diese Bewertung führt somit zum Fernbleiben vom Arbeitsplatz.

Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Relevanz von Präsentismus

Das Phänomen des Präsentismus kann sich sehr zum Nachteil der Betroffenen auswirken. Deshalb sollten sich auch Arbeitgeber frühzeitig mit dem Thema Präsentismus auseinandersetzen. Auch international vergrößert sich das Interesse an diesem Thema. Mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erschienen in Amerika zudem einschlägige Studien.

Krank zur Arbeit gehen? Erfahren Sie in unserem Beitrag Arbeiten trotz Krankschreibung mehr zu den rechtlichen Gegebenheiten der Krankschreibung und den daraus resultierenden Empfehlungen für Arbeitgeber.

Welche Gründe gibt es für Präsentismus?

Die Ursachen für Präsentismus von Arbeitnehmern sind vielseitig. Im Folgenden stellen wir häufige Ursachen für diese Form von Verhalten im Arbeitsalltag dar.

Präsentismus durch zu viel Arbeit?

Zu viel Arbeit trägt womöglich entscheidend zu Präsentismus unter abhängig Beschäftigten bei. Dies ergab eine Studie für Deutschland aus 2007 von Zok. Allerdings wurden lediglich 2.000 Probanden befragt. Immerhin gaben 54,3 Prozent der weiblichen und 44,8 Prozent der männlichen Teilnehmer zu viel Arbeit als Grund an. Je höher der berufliche Status, desto mehr sind Beschäftigte dazu bereit, krank zur Arbeit zu gehen, um Mehrarbeit zu leisten.

Sinnerleben durch Wertschätzung der eigenen Arbeit

Beschäftigte mit hohem Sinnerleben tragen weniger zu Präsentismus bei als solche, die ihre berufliche Tätigkeit gering schätzen und somit gegen den ärztlichen Rat ihren Arbeitsplatz aufsuchen.

Arbeitsverdichtung als Risikofaktor für Präsentismus

Mehr Aufgaben in der gleichen Zeit erfüllen zu müssen, stellt für Arbeiter und Arbeitnehmer eine größere Herausforderung dar. Diese Arbeitsverdichtung geht mit einem erhöhten Risiko für Präsentismus einher. Das Entstehen von Arbeitsverdichtung kann beispielsweise auf Rationalisierungsmaßnahmen, kürzere Arbeitszeiten, Jahresabschlussarbeiten oder neue Aufgabengebiete zurückzuführen sein.

Präsentismus aufgrund von Solidarität

Die Kollegen im Stich und sich von ihnen vertreten zu lassen, schreckt Beschäftigte unter Umständen davon ab, notwendigerweise einen Arzt wegen einer Krankmeldung aufzusuchen. Dieses Beispiel für Präsentismus zeigt der DAK-Gesundheitsreport aus dem Jahre 2016: 80,3 Prozent der Männer und 85,5 Prozent der Frauen behaupten krank zur Arbeit gegangen zu sein wegen Schuldgefühlen gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen.

Führungskräfte mit gering eingeschätzter Integrität beeinflussen die Ausprägung von Präsentismus

Da Führungskräfte eine besondere Vorbildfunktion einnehmen, steht ihr Verhalten als Vorgesetzte bei den Mitarbeitern ständig auf dem Prüfstand. Dabei stehen Aufrichtigkeit, gerechte Behandlung und ein vertrauensvoller Umgang an oberster Stelle der erforderlichen Eigenschaften von Führungskräften. Zusammenfassen lassen sich diese Eigenschaften mit dem Oberbegriff der Integrität. Auch die Wechselwirkung zwischen Präsentismus und Integrität waren schon Gegenstand empirischer Untersuchungen.

So hatte die schwedische Studie von Nyberg, Westerlund, Magnusson Hanson und Theorell (2008) zum Ergebnis, dass bei der Führungskraft fehlende integre Werte wie Aufrichtigkeit, Menschlichkeit oder Respekt zu einem hohen Präsentismus in der Belegschaft des Unternehmens führen können.

Angst vor Arbeitsplatzverlust und wirtschaftlicher Not als Grund für Präsentismus

Der Auslöser für die Motivation zur Befürchtung, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist im Umkehrschluss die Angst vor drohender wirtschaftlicher Not. Leiharbeit und Zeitarbeit, befristete Arbeitsverträge, verordnete Teilzeit oder Minijobs sind stärker abhängig von temporären oder andauernden Auftragseingängen.

Von Präsentismus Betroffenen fehlt in konjunkturell angespannten Phasen außerdem die Sicherheit von dauerhaftem Einkommen, wie es bei unbefristeten Arbeitsverhältnissen mit Direktanstellung der Fall ist. In diesem Zusammenhang ist ein höherer Präsentismus von der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, beeinflussbar.

Krank zur Arbeit: Welche Probleme entstehen durch Präsentismus?

Die Folgen von Anwesenheit bei der Arbeit trotz Krankheit sind vielseitig. Auswirkungen auf die am Wirtschaftskreislauf beteiligten Unternehmen sind die Folge. Häufig geht das Phänomen mit dem Auftreten verschiedener Beschwerden, darunter auch Depressionen einher.

Produktivitätsverlust und betriebswirtschaftliche Nachteile

Eine verminderte Leistungsfähigkeit, sinkende Produktivität, Fehler und Unfälle am Arbeitsplatz sind häufig Kostenfaktoren, die seitens der Unternehmen unterschätzt und durch Präsentismus begünstigt werden. Diese Kostenfaktoren wirken sich negativ auf die Gesamtproduktivität aus, weil weniger Leistungen erbracht werden. Erkältungen, Stress, psychische Erkrankungen und Schlafstörungen wurden hierbei als besondere Kostentreiber beobachtet.

Psychische und physische Erkrankungen von Beschäftigten können zu einem schlechten Betriebsklima führen, wenn die Betroffenen zu emotional reagieren. Teamkonflikte, schwierige Unternehmensführung und wirtschaftliche Einbußen sind mögliche Folgen. Eine Rolle soll auch das Unterstützungsniveau von Vorgesetzten spielen. Bei zunehmender Bereitschaft zur Unterstützung der Beschäftigten gehen die Präsentismuskosten zurück, so die These.

Folgeschäden für die eigene Gesundheit

Objektiv arbeitsunfähigen Mitarbeitern, die von Präsentismus betroffen sind, fehlt die Krankheitseinsicht, weil sie nicht auf die Symptome achten oder ignorieren. Sie haben ein erhöhtes Risiko, dass die zu Grunde liegende Erkrankung einen chronischen Verlauf nimmt. Unbehandelt führt dies im schlimmsten Fall zum Arbeitsplatzverlust und sehr hohen Kosten für das Gesundheitswesen.

Besondere Anforderungen an Vorgesetzte ergeben sich, wenn Mitarbeiter bei bakteriellen oder viralen Infektionen krank zur Arbeit gehen. Es kann zu einem betriebsübergreifenden Ausbruch unter den Beschäftigten kommen.

Depression

Auch das Beschwerdebild der Depression, eine laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterschätzte Volkskrankheit, kann gemeinsam mit Präsentismus auftreten oder diesen bedingen. Wichtig ist folglich eine rechtzeitige Behandlung durch eine beruflich qualifizierte Fachkraft, um die Heilungschancen zu verbessern. Gerade bei psychischen Erkrankungen fehlt es an gesundheitlicher Selbstkompetenz, die eigenen Beschwerde richtig einzuschätzen. Hinzu kommt häufig die Angst vor Stigmatisierung am Arbeitsplatz.


Wie ist Präsentismus zu erkennen?

Anzeichen und zugleich Merkmale des Phänomens finden sich in Betrieben auf der arbeitsbezogenen, organisatorischen und personellen Ebene.

Mit der Arbeit assoziierte Faktoren können sein

  • Verhältnismäßig hohe Anforderungen und eine sehr große Menge an zu bewältigender Arbeit
  • eng bemessene Zeiträume, die Arbeiten fertigzustellen
  • für eine große Anzahl an Mitarbeitern der Ansprechpartner zu sein
  • zu viele Kunden und ein schwierige Stammkundschaft
  • häufige Personalausfälle und folglich Unterbesetzung
  • Teamkonflikte durch zu starken emotionales Reagieren
  • schlechte Work-Life-Balance zwischen Arbeits- und Familienleben
  • Informationsüberflutung durch Mails oder nicht beanspruchte Pausen

Organisatorische Faktoren, die Präsentismus möglicherweise befördern

  • Traumata in Folge von Diskriminierung, Bedrohung und Vertrauensmissbrauch
  • mangelnde Zukunftsperspektiven am Arbeitsplatz
  • ständige Kontrollen mit dem Ziel, die Anwesenheitsquote zu erhöhen
  • fehlende Unterstützung durch die Organisation und ungerechtes Verhalten

Persönliche Anzeichen und Merkmale von Präsentismus

  • Übertriebener Arbeitseifer (Bereitschaft zu Überstunden)
  • Das Gefühl von Erfolg und Erfüllung bei der Arbeit
  • Erschöpfungssysndrom und hoher Stress
  • Emotionale Abhängigkeit von der Organisation
  • schlechte finanzielle Bonität der Beschäftigten
  • viel unerledigte Arbeiten

Präsentismus im Unternehmen entgegenwirken

Bestehen Anzeichen für Präsentismus im Unternehmen, sind diese sehr ernst zu nehmen. Schließlich geht es um die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter des Betriebs, die in Teams produktiv sind. Angesagt sind Menschlichkeit, ohne es an der Objektivität für angemessene und sozialverträglichen Problemlösungen fehlen zu lassen.


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Welche Maßnahmen können Arbeitgeber und Führungskräfte gegen Präsentismus ergreifen?

  1. Schaffung einer psychsozialen Beratungsstelle im Unternehmen für Mitarbeiter
  2. Professionelle Aufklärung und Sensibilisierung der Mitarbeiter für Präsentismus und depressive Erkrankungen
  3. Mitarbeitergespräche zur Betrachtung der Gesundheit und des Wohlbefindens
  4. Implementierung von Systemen zur Fehlzeitenanalyse (Sollstunden)
  5. Arbeitszeitmodelle, die Sicherheit geben und die Beruf und Familie berücksichtigen
Verfasst von Sandy Lanuschny

Den Mehrwert von Papershift stets im Blick, versorgt Euch Sandy mit spannenden Beiträgen zu den Themen Dienstplanung und Zeiterfassung.