Mindestlohn

Mindestlohn im Fokus: Informieren Sie sich zu den wichtigsten Regelungen rund um das Thema Mindestlohn & nutzen Sie unseren kostenlosen Mindestlohnrechner!
Mindestlohn: Mindestlohn Rechner

© Yvonne Weis / Adobe Stock


Zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2022 belief sich der gesetzliche Mindestlohn für alle Arbeitnehmer auf 9,82 Euro pro Stunde, seit dem 1. Juli sind es 10,45 Euro. Im Juni 2022 beschloss der Bundesrat, dass der Mindestlohn ab dem 1. Oktober 2022 auf 12 Euro pro Stunde angehoben wird. Der Bundesrat bestätigte den Gesetzesentwurf am 10. Juni.

Doch für wen gilt der gesetzliche Mindestlohn – und für wen nicht? In welchen Abständen wird er erhöht und wer entscheidet darüber? Solche und ähnliche Fragen beantworten wir in unserem Beitrag. Außerdem haben Sie die Möglichkeit jederzeit unseren kostenlosen Mindestlohnrechner zu nutzen.

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Der gesetzliche Mindestlohn in Kürze

  • Das Mindestlohngesetz (MiLoG) existiert seit 2015 und sieht eine für alle Arbeitgeber verpflichtende Lohnuntergrenze vor.
  • Seit dem 1. Juli 2022 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 10,45 Euro pro Stunde, ab dem 1. Oktober werden es 12 Euro pro Stunde.
  • Den Mindestlohn bekommen alle Personen, die gemäß Mindestlohngesetz als Arbeitnehmer gelten. Demnach gilt er nicht für Selbstständige, Auszubildende, ehrenamtlich Tätige, Langzeitarbeitslose (innerhalb der ersten sechs Beschäftigungsmonate), Praktikanten (eines Pflichtpraktikums), Teilnehmer an einer Einstiegsqualifizierung oder Berufsausbildungsvorbereitung sowie Menschen mit Behinderung, die nach § 221 SGB IX in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis stehen.
  • Die Höhe des Mindestlohns wird von der Mindestlohnkommission alle zwei Jahre überprüft und gegebenenfalls angepasst.
  • In vielen Branchen gibt es außerdem in den Tarifverträgen festgelegte Mindestlöhne.

Definition: Was ist der Mindestlohn?

Das Mindestlohngesetz gibt es seit Januar 2015. Es sieht eine gesetzliche Lohnuntergrenze vor, die Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihren Beschäftigten (mindestens) den vorgegebenen Stundenlohn zu zahlen.

Der Mindestlohn soll gering verdienenden Arbeitnehmern helfen, ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Aus diesem Grund wurde eine Kommission eingerichtet, die den Mindestlohn alle zwei Jahre prüft und gegebenenfalls angepasst.

Wie hoch ist der aktuelle Mindestlohn 2022?
Die Kommission für die Festsetzung des Mindestlohns – bestehend aus den Tarifpartnern – gab am 30. Juni 2020 ihre Empfehlung für die Erhöhung des Mindestlohns für 2021 und 2022 ab. Da die Bundesregierung der Empfehlung folgte, gab es im Jahr 2021 zwei Steigerungen, eine zum 1. Juni und eine zum 31. Dezember 2021. Im Jahr 2022 wurde der Mindestlohn ebenfalls zwei Mal angehoben. Eine dritte Erhöhung auf 12 Euro pro Stunde folgt zum 1. Oktober.

Was ist für den Mindestlohn 2023 geplant?

Nach aktuellem Stand soll es 2023 – anders als bislang geplant – keine Erhöhung des Mindestlohns geben. Die nächste Erhöhung soll stattdessen frühestens Anfang 2024 kommen. Die Gewerkschaft ver.di dagegen fordert schon für 2023 eine erneute Erhöhung.

Warum wird der Mindestlohn fortlaufend erhöht?

Der Mindestlohn stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Diese Entwicklung kommt jedoch nicht von ungefähr – sondern hängt mit der Steigerung der Reallöhne in Deutschland zusammen. Die gesetzlich festgelegte Lohnuntergrenze orientiert sich nämlich stets an den Lohnentwicklungen und Tarifabschlüssen im Land und steigt mit den Löhnen der Arbeitgeber.

Was sagt das Arbeitsrecht zum gesetzlichen Mindestlohn?

In Deutschland gibt es seit dem 1. Januar 2015 und damit dem Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes einen flächendeckenden Mindestlohn. Im Mindestlohngesetz befindet sich die gesetzliche Lohnuntergrenze bereits seit 2014. Dort ist in § 1 die Rede davon, dass alle Arbeitnehmer Anspruch auf ein Arbeitsentgelt mindestens in Höhe des Mindestlohns haben. Die Höhe des Mindestlohns wird auf Vorschlag der sogenannten Mindestlohnkommission geändert und durch Rechtsverordnung der Bundesregierung angepasst.

Gesetzlich festgelegt ist auch, dass die Überwachung zur Einhaltung des Mindestlohns Aufgabe der Finanzkontrolle Schwarzarbeit der Zollverwaltung ist. Außerdem sind die Arbeitgeber verpflichtet, ihren Teil dazu beizutragen und den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Seit der Einführung des Mindestlohns sind Arbeitgeber im Rahmen der Kontrolle außerdem aufgefordert, die Arbeitszeiterfassung ihrer Mitarbeiter sowie eine genaue Arbeitszeitdokumentation zu gewährleisten.

Exkurs: Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland

Initiiert wurde die Debatte um das Thema erstmals durch die „Initiative Mindestlohn“ von ver.di und NGG im Jahr 2006. Die vorrangige Forderung „Kein Lohn unter 7,50 Euro pro Stunde“ wurde damals deutschlandweit auf etwa 4.000 Großflächenplakaten beworben.

Wann wurde der Mindestlohn in Deutschland eingeführt?
Endgültig eingeführt wurde der Mindestlohn Anfang 2015. Damals lag der Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde, seitdem steigt er kontinuierlich. In puncto Höhe bewegt sich Deutschland in der EU im oberen Drittel. So liegt der gesetzliche Mindestlohn bisher nur in Luxemburg bereits bei über 12 Euro.

Warum gibt es den Mindestlohn?

Seit der Einführung des Mindestlohns 2015 wurde der Stundenverdient mehrmals angepasst. Es gibt einige gute Gründe, die für die Existenz des Mindestlohns und eine fortlaufende Steigerung sprechen:

  1. Verhindern von Lohnarmut: Ein gesetzlicher Mindestlohn trägt dazu bei, dass auch Geringverdiener von ihrer Arbeit leben können und keine staatliche Unterstützung benötigen.
  2. Vorsorge: Ein höheres Lohnniveau senkt das Risiko, dass große Teile der Bevölkerung in Altersarmut geraten.
  3. Fairer Wettbewerb: Lohndumping fördert unfaire Wettbewerbsvorteile, die meist zulasten der Arbeitnehmer gehen.

Gerade angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten ist es sinnvoll, mit den Realgehältern auch den gesetzlichen Mindestlohn anzuheben.

Millionen von Deutschen arbeiten in wichtigen („systemrelevanten“) Berufsfeldern, die leider nur niedrig vergütet werden. Die Ein­füh­rung und fortlaufende Er­hö­hun­g des ge­setz­li­chen Min­dest­lohns hat die Ein­kom­mens­si­tua­ti­on vieler Deutscher seit 2015 deutlich ver­bes­ser­t. So unterstützt der Min­dest­lohn auch den privaten Kon­sum, was einen we­sent­lichen Beitrag zum Wirt­schafts­wachs­tum leistet.

Wie viele deutsche Arbeitnehmer beziehen Mindestlohn?
Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums verdienen zurzeit rund 6,2 Millionen Arbeitnehmer weniger als 12 Euro in der Stunde. Eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes für den DGB stellte fest, dass in dieser Gruppe Frauen (3,5 Millionen) und Ostdeutsche (1,1 Millionen) überproportional stark vertreten sind.

Wie rechne ich den Mindestlohn aus?

Die Formel zur Berechnung des Gehalts, das Sie mit dem aktuell geltenden Mindestlohn erhalten, ist recht einfach:

Monatsgehalt = Derzeitiger Mindestlohn pro Stunde x Anzahl der Arbeitsstunden pro Monat

Genauere Angaben – beispielweise die Differenz zwischen Ihrem derzeitigen Lohn und dem Mindestlohn – erhalten Sie mit einem Mindestlohn-Rechner. Dieser berechnet Ihr Monatsgehalt anhand von Stundenlohn und Arbeitszeit. Umgekehrt können Sie Ihren Stundenlohn anhand des Monatsgehalts errechnen.

Kostenlosen Mindestlohn Rechner nutzen

Eine einfache und kostenlose Möglichkeit, den Mindestlohn beziehungsweise die Differenz des eigenen Gehalts im Vergleich zum geltenden Mindestlohn zu berechnen, bieten Online Mindestlohnrechner. Im Folgenden finden Sie Schritt-für-Schritt-Anleitungen für alle drei Versionen unseres Mindestlohn Rechners.

 

Online Rechner: Berechnung auf Basis des Stundenlohns

  1. Sie möchten Ihren Stundenlohn und die Differenz zum derzeit geltenden Mindestlohn berechnen? Dann wählen Sie in der ersten Zeile „Stundenlohn“ aus.
  2. Anschließend können Sie sich entscheiden, ob Sie die Differenz zum Mindestlohn anhand Ihres derzeitigen Monats- oder Jahresgehalts ermitteln wollen.
  3. Nun tragen Sie in die Maske Ihr derzeitiges Monats- beziehungsweise Jahresgehalt und darunter die Arbeitszeit pro Woche ein.
  4. Klicken Sie auf „Berechnen“ und Sie erhalten Ihren Stundenlohn sowie die jeweilige Differenz zwischen Ihrem Stundenlohn und dem Mindestlohn.

Online Rechner: Berechnung auf Basis des Monatsgehalts

  1. Sie kennen Ihren Stundenlohn und wollen Ihr Monatslohn sowie die Differenz zum derzeit geltenden Mindestlohn berechnen? Dann wählen Sie in der ersten Zeile „Monatsgehalt“ aus.
  2. Nun tragen Sie in die Maske Ihren derzeitigen Stundenlohn und darunter die Arbeitszeit pro Woche ein.
  3. Klicken Sie auf „Berechnen“ und Sie erhalten Ihr Brutto-Monatsgehalt sowie die jeweilige Differenz zwischen Ihrem Monatsgehalt und dem Mindestlohn.

Online Rechner: Berechnung auf Basis des Jahresgehalts

  1. Sie möchten Ihr Jahresgehalt und die Differenz zum derzeit geltenden Mindestlohn berechnen? Dann wählen Sie in der ersten Zeile „Jahresgehalt“ aus.
  2. Nun tragen Sie in die Maske Ihren derzeitigen Stundenlohn und darunter die Arbeitszeit pro Woche ein.
  3. Klicken Sie auf „Berechnen“ und Sie erhalten Ihr Brutto-Jahresgehalt sowie die jeweilige Differenz zwischen Ihrem Jahresgehalt und dem Mindestlohn.

Für welche Arbeitnehmer gilt die Lohnuntergrenze?

Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmer, also Personen, die Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes sind. Demnach erhalten Personengruppen, die nicht als Arbeitnehmer nach MiLoG gelten, keinen Mindestlohn. Nach § 22 MiLoG sind das folgende Gruppen:

  • Jugendliche unter 18 Jahren, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen
  • Auszubildende: Gemäß dem reformierten Berufsbildungsgesetz ist in Deutschland das Mindestentgelt für Auszubildende, die sogenannte „Mindestausbildungsvergütung“ zu beachten. Diese hat mit dem gesetzlichen Mindestlohn aber grundsätzlich nichts zu tun.
  • Langzeitarbeitslose: Nach Beendigung der Arbeitslosigkeit erhalten diese Personen während der ersten sechs Monate ihrer Beschäftigung keinen Mindestlohn.
  • Praktikanten: Handelt es sich um ein verpflichtendes Praktikum im Rahmen einer schulischen oder universitären Ausbildung, erhalten Praktikanten keinen Mindestlohn. Ebenso erhalten sie keinen Mindestlohn, wenn das Praktikum zwar freiwillig, aber lediglich bis zu drei Monate dauert. Dies ist beispielsweise häufig bei Orientierungspraktika oder Praktika vor Aufnahme eines Studiums der Fall.
  • Personen, die nach dem Berufsbildungsgesetz an einer Einstiegsqualifizierung (als Vorbereitung auf eine Berufsausbildung) oder einer anderen Berufsbildungsvorbereitung teilnehmen
  • ehrenamtlich Tätige
  • Menschen mit Behinderungen, die nach § 221 SGB IX in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis stehen

Was muss bei der Zahlung von Mindestlohn berücksichtigt werden?

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, all ihre Mitarbeiter nach Mindestlohngesetz zu entlohnen. Jede in Deutschland abhängig beschäftigte Person hat somit seit dem 1. Juli 2022 Anspruch auf einen Stundenlohn von mindestens 10,45 Euro. Zum 1. Oktober 2022 steigt dieser gesetzlich begründete Anspruch auf 12 Euro in der Stunde.

Wie funktioniert die Arbeitszeitdokumentation?

Ein Mindestlohngesetz ist nur dann wirklich effektiv, wenn die Arbeitszeit der Angestellten korrekt erfasst und dokumentiert wird. Der Grund: Findet keine korrekte Zeiterfassung statt, haben Arbeitgeber die Möglichkeit, den Mindestlohn zu umgehen – beispielsweise indem sie zwar den geltenden Mindestlohn zahlen, die Mitarbeiter aber gleichzeitig länger arbeiten lassen. Die Aufzeichnung der Arbeitszeiten bildet daher die notwendige Basis für die Kontrolle der Arbeitgeber durch die zuständige Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

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Mindestlohn und Stundenzettel

Laut Mindestlohngesetz sind Arbeitgeber verpflichtet, alle von ihren Beschäftigten geleisteten Arbeitsstunden zu dokumentieren. Dabei ist es egal, ob die Arbeitszeiterfassung mit einer klassischen Stempelkarte oder einer modernen Cloud-Lösung vonstatten geht. Wichtig ist nur, dass die Arbeitszeiten korrekt und fortlaufend erfasst werden.

Unser Tipp für Arbeitnehmer: Erstellen Sie sich idealerweise eine Kopie Ihrer Stundenzettel beziehungsweise aufgezeichneten Arbeitszeiten. Auf diese Weise können Sie die geleistete Stundenzahl jederzeit belegen. Sollte Ihr Arbeitgeber seiner Dokumentationspflicht nicht nachkommen, können die selbstständig gesammelten Stunden nachgewiesen werden. Wer ganz sicher gehen will, sollte sich den Stundenzettel per Unterschrift vom Vorgesetzten bestätigen lassen.

Wie kann man die Aufzeichnungspflicht einhalten?

Im Rahmen der Einführung des Mindestlohnes wurden den Arbeitgebern Aufzeichnungspflichten auferlegt. Nach § 17 des Mindestlohngesetzes muss der Arbeitgeber für all seine Mitarbeiter Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit festhalten. Dabei muss die Aufzeichnung dieser Daten spätestens zum siebten Kalendertag, der auf den Tag der Arbeitsleistung folgt, durchgeführt worden sein. Außerdem sind Arbeitgeber verpflichtet, die Aufzeichnungen für mindestens zwei Jahre aufzubewahren.

Wie die Dokumentation der Arbeitszeiten auszusehen hat, wird vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben. Das heißt, die Angaben können in Papierform, elektronisch – etwa über Excel-Tabellen – oder mittels moderner digitaler Zeiterfassungssysteme erfolgen.

Gibt es Regelungen zu Mindestlöhnen in Tarifverträgen?

In vielen Tarifverträgen gibt es branchenspezifisch festgelegte Mindestlöhne, die aber klar vom gesetzlichen Mindestlohn abzugrenzen sind. So gab es tarifliche Lohnuntergrenzen bereits vor dem Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes. Solche Mindestlöhne gelten nur für bestimmte Branchen oder Berufe und werden daher in den für die jeweiligen Beschäftigten gültigen Tarifverträgen festgehalten.

Arbeitgeber sind natürlich auch an die Einhaltung der tariflich festgelegten Mindestlöhne gebunden. Beschäftigten, deren Tarifvertrag einen Mindestlohn vorsieht, haben einen Anspruch darauf, auch mindestens diesen Betrag ausgezahlt zu bekommen. Klar ist auch: Der tarifliche Mindestlohn darf nicht unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen.

Sind Branchenmindestlöhne üblich?

Auch schon vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Januar 2015 gab es in Deutschland einige so­ge­nann­te Bran­chen­min­dest­löhne, die meist in Tarifverträgen geregelt waren. Solche tariflich bestimmten Lohnuntergrenzen gab es beispielsweise in folgenden Branchen:

  • Pflege
  • Ab­fall­wirt­schaft
  • Bau­ge­wer­be
  • Berg­bau­ (für Spezialarbeiten)
  • Dach­deckerhandwerk
  • Elek­trohandwerk
  • Ge­bäu­de­r­ei­ni­gung
  • Ma­ler- und La­ckie­rer­hand­werk
  • Wäscherei-Dienstleistungen
Was versteht man unter Branchenmindestlohn?
Ein Branchenmindestlohn ist eine von Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelte Lohnuntergrenze, die in einem Tarifvertrag festgeschrieben und von der Politik für allgemein bindend erklärt wird. Dieser Mindestlohn gilt dann für alle Beschäftigten der jeweiligen Branche. Wichtig: Der Branchenmindestlohn gilt auch für Beschäftigte, deren Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist.

Branche Steinmetz- und Bildhauerhandwerk

Für Steinmetze und Bildhauer beträgt der Mindestlohn seit dem 1. August 2022 13,35 Euro in der Stunde.

Branche Pflege

Auch in der Pflege steigt der Branchenmindestlohn. Zum 1. September 2022 steigt er auf 13,70 Euro, zum 1. Mai 2023 auf 13,90 Euro pro Stunde.

Branche Gerüstbau

Bei den Gerüstbauern steigt der Branchenmindestlohn zum 1. Oktober 2022 auf 12,85 Euro pro Stunde.

Branche Gebäudereinigung

Auch in dieser Branche erhöhen sich ab Oktober 2022 die Mindestlöhne. In der Innen- und Unterhaltsreinigung erhalten Beschäftigte ab dem 1. Oktober 13 Euro, in der  Glas- und Fassadenreinigung sind es sogar 16,20 Euro pro Stunde.

Welche Verbote gelten beim Mindestlohn?

Arbeitgebern ist es in Deutschland verboten, ihren Beschäftigten einen geringeren Stundenlohn als den gesetzlich festgelegten Mindestlohn zu zahlen. Verstöße gegen den Mindestlohn und die Nachweispflichten ziehen teils empfindliche Strafen nach sich.

Welche Konsequenzen drohen bei einem Verstoß gegen den Mindestlohn?

Hält sich der Arbeitgeber nicht an die Dokumentations- und Nachweispflichten oder verstößt bei den Lohnzahlungen gegen den geltenden Mindestlohn, kann der Zoll ein Bußgeldverfahren eröffnen. Bei dem Verstoß handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit hohen Strafen geahndet wird.

Betroffenen Beschäftigten ist zu empfehlen, den gegen das Mindestlohngesetz verstoßenden Arbeitgeber zu verklagen. Gewerkschaftsmitglieder haben den Vorteil, dass sie bei ihrer Arbeitnehmervertretung eine kostenlose rechtliche Beratung in Anspruch nehmen können und im Ernstfall Rechtsschutz erhalten.

Weitere Fragen zum Thema

Wann kommt der Mindestlohn von 13 Euro?

Derzeit ist keine Erhöhung des Mindestlohns auf 13 Euro geplant.

Spricht man beim Mindestlohn von Brutto oder Netto?

Nach § 1 Abs. 2 MiLoG wird der gesetzliche Mindestlohn stets als Bruttolohn pro Stunde angegeben.

Wie schlägt sich der deutsche Mindestlohn im Vergleich zu anderen Staaten?

In 21 der 27 EU-Mitgliedsstaaten wird zurzeit ein gesetzlicher Mindestlohn gezahlt. Vergleichsweise niedrige Mindestlöhne von weniger als 750 Euro im Monat gelten in Bulgarien, Lettland und Rumänien. Das ebenfalls in Osteuropa liegende Slowenien stellt hier eine Ausnahme dar und übertrifft mit einer Lohnuntergrenze von 1.074 Euro im Monat die südeuropäischen Länder Portugal, Malta und Griechenland. Deutschland liegt im europäischen Vergleich im oberen Drittel: Höhere Mindestlöhne werden in Luxemburg, Irland, den Niederlanden und Belgien gezahlt.

Welche Länder in Europa haben keinen Mindestlohn?
In Europa haben 21 der 27 EU-Staaten einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Bei den restlichen sechs Ländern handelt es sich um Österreich, Dänemark, Italien, Finnland, Schweden und Zypern.

Gilt der gesetzliche Mindestlohn auch bei Minijobs?

Auch Menschen, die in einem sogenannten „Minijob“ (450-Euro-Job) arbeiten, haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn.

Erhalten Saisonbeschäftigte auch den Mindestlohn?

Auch Arbeitnehmer, die befristet im Rahmen der Saisonarbeit tätig sind, erhalten den Mindestlohn. Das gilt zum Beispiel für Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe oder in der Landwirtschaft.

Der Mindestlohn in Österreich

In Österreich gibt es bislang keinen gesetzlichen Mindestlohn. In vielen Branchen existieren aber andere Regelungen in Form von Tarifverträgen, die vorgeben, wie viel Angestellte mindestens verdienen müssen.

Der Mindestlohn in der Schweiz

Auch der Schweiz existiert kein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn. Eine Lohnuntergrenze gibt es bisher nur in den Kantone Neuenburg (20,08 Franken pro Stunde), Jura (20 Franken), Genf (23 Franken), Basel-Stadt (21 Franken) und Tessin (19 Franken).

Mindestlohn im Überblick


Wie hoch ist der Mindestlohn aktuell in Deutschland?
Seit Juli 2022 gilt eine Lohnuntergrenze von 10,45 Euro pro Stunde. Zum 1. Oktober 2022 wird der Mindestlohn auf 12 Euro angehoben.
Wer ist konkret vom Mindestlohn ausgenommen?
Wer im Sinne des Mindestlohngesetzes Arbeitnehmer ist, erhält den gesetzlichen Mindestlohn § 22 MiLoG hält fest, welche Personengruppen nicht als Arbeitnehmer gelten. Dabei handelt es sich um Auszubildende, ehrenamtlich Tätige, Selbstständige, Jugendliche ohne Berufsausbildung oder Langzeitarbeitslose (in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung). Auch Personen, die ein verpflichtendes Praktikum durchführen, Teilnehmer an einer Berufsausbildungsvorbereitung und Menschen mit Behinderung, die in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis stehen, sind vom Anwendungsbereich ausgenommen.
Warum braucht es einen gesetzlichen Mindestlohn?
Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn hat nicht – wie es von seinen Gegnern häufig vorhergesagt wurde – zum Ab­bau von Be­schäf­ti­gung ge­führ­t. Viel­mehr verbesserte sich die Ein­kom­mens­si­tua­ti­on von Mil­lio­nen von Deutschen im Nied­rig­lohn­sek­tor. Außerdem senkt der Mindestlohn die Gefahr von Altersarmut und die Belastung des Sozialstaats. Mehr als 80 Pro­zent der Deutschen sind heute für den Min­dest­lohn.
Wer entscheidet über die Höhe der Lohnuntergrenze?
Es ist Aufgabe der sogenannten Mindestlohnkommission, über die Höhe des Mindestlohns zu entscheiden beziehungsweise der Politik Empfehlungen auszusprechen. Die Kommission setzt sich aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und einem unabhängigen Vorsitzenden zusammen. Sie entscheidet alle zwei Jahre über eine Mindestlohnerhöhung.
Wie kann man die Aufzeichnungspflicht beim Mindestlohn sicherstellen?
Arbeitgebern stehen zahlreiche Möglichkeiten offen, ihren Aufzeichnungspflichten nachzukommen. Besonders praktisch ist die digitale Zeiterfassung mit einem passenden System.


Verfasst von Sandy Lanuschny

Den Mehrwert von Papershift stets im Blick, versorgt Euch Sandy mit spannenden Beiträgen zu den Themen Dienstplanung und Zeiterfassung.