Der durchschnittliche Berufstätige arbeitet in der Regel 40 Stunden in der Woche. In den meisten Fällen sind Überstunden jedoch fester Bestandteil des wöchentlichen Pensums. Zum Schutz der Arbeitnehmer gibt das Arbeitszeitgesetz die maximal zulässige Höchstarbeitszeit pro Tag vor. Zudem werden dort notwendige Ruhephasen und Pausen festgelegt. Doch trotz bestehender Gesetze unterlaufen häufig Fehler bei der praktischen Umsetzung der maximalen Arbeitszeit.

Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der maximalen Arbeitszeit?

Da diese Verantwortung beim Arbeitgeber liegt, macht sich dieser bei Unzulänglichkeiten haftbar. Verstöße wie die andauernde Missachtung der Höchstarbeitszeit pro Tag werden als Ordnungswidrigkeit geahndet. Demnach ist es ratsam, sich einen genauen Überblick über die Regelungen zu verschaffen und stets die Arbeitszeiten der eigenen Mitarbeiter im Blick zu behalten.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • In Deutschland liegt die Höchstarbeitszeit pro Tag bei 8 Stunden
  • Die wöchentliche maximale Arbeitszeit beträgt 48 Stunden
  • Pausen und Ruhezeiten sind fest bestimmt, zwischen Schichten betragen sie mindestens elf Stunden
  • Sowohl Sonn- als auch Feiertage sind, bis auf Ausnahmen, geschützt
  • Für die Überwachung des Arbeitszeitgesetzes sind Ordnungsämter und Behörden zuständig
Die maximale Arbeitszeit

Häufige Irrtümer in der Praxis

Auch wenn die Regelungen zur täglichen Arbeitszeit im Arbeitszeitgesetz festgehalten sind, kommt es bei der Umsetzung im Arbeitsalltag immer wieder zu Denkfehlern. Hierbei sind insbesondere die Regelungen zu Pausenzeiten, Überstunden sowie der Arbeit an Sonn- und Feiertagen gemeint.

Irrtum #1: Pausenzeiten

Prinzipiell gilt laut Arbeitsrecht: Nach höchstens sechs Stunden täglicher Arbeitszeit muss eine halbstündige Pause eingelegt werden, bei Arbeitszeiten über neun Stunden sind es 45 Minuten. Diese Pausen dürfen aufgeteilt werden. Aber Achtung, hierbei müssen die getrennten Zeitabschnitte jeweils mindestens 15 Minuten betragen. Das ist insbesondere für die altbekannten Raucherpausen relevant.

Irrtum #2: Überstunden

Vorsicht ist ebenfalls geboten bei der Ableistung von Überstunden. In der Theorie darf die Höchstarbeitszeit pro Woche ausgeweitet werden, aber nie länger als auf 10 Stunden Arbeitszeit pro Tag. Dazu kommt ein weiterer Irrtum, der schnell unterlaufen kann: Überstunden sind üblicherweise innerhalb von 24 Wochen auszugleichen und dürfen nicht länger angesammelt werden.

Irrtum #3: Arbeit an Sonn- und Feiertagen

Im Regelfall ist die Arbeit an Sonn- und Feiertagen untersagt. Dies wird meist dann zum Stolperstein, wenn die Höchstarbeitszeit pro Woche nicht erreicht wurde und die offenen Stunden unberechtigt auf die freien Tage gelegt werden.

Wann darf die maximale Arbeitszeit überschritten werden?

In bestimmten Situationen ist es notwendig und erlaubt, von den Regelungen bezüglich der maximalen Arbeitszeit abzuweichen. Dazu zählen:

  • Grundsätzlich außergewöhnliche Umstände und Notfälle, bei welchen die Gesundheit von Menschen oder Tieren gefährdet ist, nicht aufschiebbare wissenschaftliche Arbeiten anstehen, Rohstoffe zu verderben oder Arbeitsergebnisse zu misslingen drohen
  • Die Verkürzung der Ruhezeit um eine Stunde in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, der Gast- und Landwirtschaft, Verkehrsbetrieben, Rundfunkanstalten
  • Die Erlaubnis der Arbeit an Sonn- und Feiertagen für Schichtarbeiter, Kraftfahrer, Rettungssanitäter, Ärzte oder Angestellte in Restaurants und Hotels
  • Das Verbot von Überstunden für Schwangere und stillende Mütter und somit eine Einschränkung deren täglicher Arbeitszeit

Weiterhin vom Arbeitszeitgesetz ausgeschlossen sind:

  • Leitende Angestellte, Chefärzte, Arbeitnehmer in der Personenpflege, in der Gestaltung von Gottesdiensten Tätige sowie Mitarbeiter der Luftfahrt
  • Beamte, Richter und Soldaten
  • Jugendliche (welche unter das Jugendschutzgesetz mit maximal 8 Stunden täglicher Arbeitszeit fallen)

 

Exkurs: Österreich und Schweiz

Wie sieht es eigentlich mit den Regelungen zur maximalen Arbeitszeit in den deutschsprachigen Nachbarländern aus? Im Gegensatz zu den Regelungen des deutschen Arbeitsrechts gelten in Österreich und der Schweiz andere Grenzen bei der Arbeitszeit von Mitarbeitern.

Die maximale Arbeitszeit in Österreich

Die maximale Arbeitszeit pro Tag liegt in Österreich bei 12 Stunden, die wöchentliche Höchstgrenze ist bei 60 Stunden erreicht. Auch gerechtfertigte Überziehungen der täglichen Arbeitszeit sind einbegriffen, diese müssen entweder durch einen Zuschlag vergolten oder zeitlich ausgeglichen werden. Erweiterungen der maximalen Arbeitszeit sind in besonderen Fällen möglich, dürfen aber innerhalb von 17 Wochen eine maximale wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden nicht überschreiten.

Die maximale Arbeitszeit in der Schweiz

In der Schweiz sind die Gesetzmäßigkeiten zur maximalen Arbeitszeit uneinheitlich und eher auf wöchentliche Arbeitszeit als auf Arbeitszeit pro Tag bezogen. Für Industriearbeiter, Büroangestellte, andere Angestellte und technisches Personal gilt eine 45-Stunden Woche, andere Arbeitnehmer dürfen bis zu 50 Stunden ableisten. Ebenso müssen Überstunden ausbezahlt oder zeitlich kompensiert werden.

 

Sicherstellung der maximalen Arbeitszeit

Um drohenden rechtlichen Konsequenzen bei einer Nichtbeachtung des Arbeitszeitgesetzes zu entgehen, sollte die tägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer gründlich erfasst werden. Das EuGH-Urteil zur verpflichtenden Arbeitszeiterfassung sowie das Urteil vom Arbeitsgericht Emden verdeutlichen die Notwendigkeit des Handelns an dieser Stelle. Mehr Informationen zu diesen Thema findest Du im Artikel: „Arbeitszeiterfassung nach EuGH-Urteil: Wie sich Arbeitgeber vorbereiten können“.

Wie stellt man die Einhaltung der maximalen Arbeitszeit sicher?

Die Einhaltung der maximalen Arbeitszeit kann mit einer zuverlässigen und effizienten Arbeitszeitdokumentation sichergestellt werden. Dafür bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Die Zeiterfassung kann manuell per Stempeluhr oder über spezielle Programme in Form eines digitalen Stundenzettels oder eines digitalen Stundenkontos erfolgen. Übersichtliche Stundenkonten können individuell aufzeigen, wie viele Arbeitsstunden offen stehen oder wo Überstunden angefallen sind. Alternativ zur technischen Umsetzung können Mitarbeiter handschriftlich ihre Stunden dokumentieren. Egal, für welche Option ein Unternehmen sich entscheidet, die sorgfältige Einhaltung dieser Kontrollmaßnahmen lässt sich vertraglich festhalten.