Arbeitszeitflexibilisierung

Arbeitszeitflexibilisierung Definition

Im Rahmen der neuen Anforderungen an den Arbeitsplatz seitens der Arbeitnehmer, aber auch dem globalen Wandel der Arbeitswelt in Folge des demografischen Wandels werden stetig alte Strukturen aufgebrochen. So ist unter anderem der traditionelle Normalarbeitstag mit acht Arbeitsstunden ein alterndes Modell. Um den Herausforderungen der Moderne gerecht zu werden, ist eine Individualisierung der betrieblichen Arbeitszeitsysteme erforderlich.

Was versteht man unter Arbeitszeitflexibilisierung? Unter diesem Begriff fallen sämtliche Konzepte, die eine flexible Organisation der üblichen Arbeitszeit in Bezug auf Dauer, Lage und Verteilung beinhalten. Hierzu zählen sowohl andauernde als auch zeitlich befristete Veränderungen. Ziel ist eine Anpassung an schwankende Kapazitäten Auslastungen. Dazu kommt die Chance, individuellen Bedürfnissen und Erwartungen der Mitarbeiter gerecht zu werden. Das Potenzial der Arbeitszeitflexibilisierung liegt in einem bedeutend nachhaltigeren Umgang mit der Ressource „Arbeitszeit“ zugunsten des Betriebes im Gesamten sowie den Arbeitnehmern.

Arbeitszeitflexibilisierung in der Praxis

Mögliche Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung

Inzwischen gibt es verschiedenste Modelle, die Arbeitszeitflexibilisierung umzusetzen. Allen gemeinsam ist die Pflicht nach Betriebsvereinbarung, sich an Regelungen aus dem Arbeitszeitgesetz zu orientieren. Das bedeutet eine Begrenzung der höchstzulässigen täglichen Arbeitszeit, die Voraussetzung von Mindestruhepausen und -zeiten sowie Arbeitsruhe an Sonn- und Feiertagen. Beispiele für Varianten flexibler Arbeitszeiten sind die Folgenden:

  • Gleitzeit
  • Arbeit in Teilzeit
  • Vertrauensarbeitszeit
  • Jahres- oder Lebensarbeitszeit
  • Funktionszeit
  • Jobsharing
  • Telearbeit

Bei den Konzepten der Wochen-, Monats-, Jahres- oder Lebensarbeitszeit wird ein festes Gesamtkontingent an zu leistenden Stunden festgelegt. Diese kann der Mitarbeiter dann beliebig antreten und mittels eines Arbeitszeitkontos verwalten. Im Falle der Funktionszeit steht die Arbeitsaufgabe und die Funktionsfähigkeit eines Mitarbeiters in seinem jeweiligen Teilbereich im Fokus. Vertrauensarbeitszeit setzt auf die sorgfältige Erledigung sämtlicher Aufgaben innerhalb vorgegebener Fristen, ohne Kontrolle oder festgelegten Arbeitszeiten.

Vor- und Nachteile der Arbeitszeitflexibilisierung

Bei gut umgesetzten Modellen der Arbeitszeitflexibilisierung eröffnen sich viele Vorteile für Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer. Diese Argumente sprechen dafür, auf ein flexibleres Arbeitszeitsystem im Betrieb umzustellen:

  • Dank der Orientierung an den Interessen der Beschäftigten steigt die Arbeitsmotivation
  • Betriebliche Erfolgsfaktoren werden unterstützt, die Wettbewerbsfähigkeit steigt
  • Flexible Arbeitszeitmodelle tragen zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen bei
  • Durch optimierte Kapazitätsverteilung sinken Personal- oder Stückkosten
  • Die Arbeit wird termin- und ergebnisorientierter verrichtet

Darüber hinaus zieht ein flexibles Betriebsumfeld in Bezug auf die Arbeitszeiten qualifizierte Fachkräfte an. Die autonome Verfügung über eigene Arbeitszeiten wird besonders von Mitarbeitern geschätzt, sodass diese an den Betrieb gebunden werden. Auch lassen sich Weiterbildungen besser organisieren, wenn die Arbeitszeiten weniger starr sind. Für Arbeitnehmer mit Familie bedeutet das eigenständige Haushalten mit ihren Arbeitszeiten eine enorme Entlastung. Schließlich ist der Einbezug individueller Interessen und Vorlieben der Beschäftigten in die Verteilung der Arbeitszeit ein wichtiger Faktor für gesteigerte Lebensqualität.

Mögliche Beispiele für Nachteile der Arbeitszeitflexibilisierung finden sich in ständiger Erreichbarkeit, Selbstausbeutung, unbezahlter Überstunden, Isolierung, Stress und Druck infolge zu hoher Anforderungen und einer verschwimmenden Grenze zwischen Arbeit und Freizeit.