Vertrauensarbeitszeit

Vertrauensarbeitszeit Definition

Vertrauensarbeitszeit stellt ein besonderes Modell der Arbeitsorganisation dar. Das Konzept legt den Fokus auf die Erledigung vereinbarter Aufgaben, sodass die zeitliche Präsenz eines Arbeitnehmers entweder gänzlich unbedeutend ist oder nur sekundäre Bedeutung entfaltet. Die Begriffe Vertrauensarbeit, Vertrauenszeit und Vertrauensgleitzeit werden synonym verwendet.

Doch wie funktioniert Vertrauensarbeitszeit?

Das Arbeitsorganisationsmodell geht von der Annahme aus, dass die Lage der Arbeitszeit nicht mehr von essentieller Bedeutung ist. Die Unternehmensführung gibt deshalb keine strikt einzuhaltende Arbeitszeit mehr vor, sondern beschränkt sich auf die Angabe eines Zeitraums oder eines Zeitpunkts. Innerhalb dieses Zeitfensters müssen die Mitarbeiter die ihnen übertragenen Aufgaben in der gewohnten Sorgfalt erledigen. Das Unternehmen „vertraut“ darauf, dass die Arbeitsleistung auch ohne feste Arbeitszeiten erbracht wird.

Durch die Anwendung von Vertrauensgleitzeit sollen Personalkosten reduziert, bestehende Ressourcen geschont sowie unternehmerisches Denken und Eigenverantwortung verbessert werden. Darüber hinaus kann weitestgehend auf eine Arbeitszeiterfassung verzichtet werden. Es obliegt den Mitarbeitern, die übertragenen Aufgaben innerhalb des Zeitfensters zu erfüllen. Sind die anfallenden Aufgaben erledigt, muss auch innerhalb des Zeitfensters nicht mehr gearbeitet werden. Im Gegenzug muss Mehrarbeit ohne besondere Vergütung oder Zeitausgleich geleistet werden.

Das Konzept der Vertrauensarbeitszeit ist nicht frei von Kritik. So wird immer wieder die Befürchtung geäußert, es käme zu einer faktischen Verlängerung der Arbeitszeit „durch die Hintertür“. Hierfür wird angeführt, Projekte und Ziele würden den Rahmen des zur Verfügung gestellten Zeitfensters überschreiten. Außerdem seien notwendige Erholungs- und Pausenzeiten nicht gewährleistet.

Vertrauensarbeitszeit in der Praxis

Zwar macht Vertrauensarbeitszeit automatische Personalzeiterfassungen überflüssig. Allerdings wiederspräche ein gänzliches Fehlen einer Arbeitszeiterfassung den einschlägigen Normen des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) und des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Denn nach § 16 Abs. 2 ArbZG trifft den Arbeitgeber weiterhin eine Aufzeichnungspflicht. In der Praxis behilft man sich deshalb damit, die Zeitaufzeichnung auf den Arbeitnehmer zu delegieren. Der Arbeitgeber muss allerdings dennoch für die Richtigkeit der Dokumentation einstehen. Nichtsdestotrotz wird häufig zumindest faktisch auf eine Kontrolle verzichtet.

In der Praxis wird Vertrauensarbeitszeit häufig mit anderen Formen der flexiblen Arbeit verbunden. Da sie ergebnisorientiert ist, finden sich häufig Kombinationen mit Heim- und Telearbeit bzw. Home Office. Unternehmen, die über einen Betriebsrat verfügen, müssen diesen beteiligen, wenn Vertrauensarbeitszeit eingeführt werden soll. Wenn der mitstimmungspflichtige Betriebsrat der Einführung zustimmt, werden in der Regel Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeit geschlossen.

Heute ist Vertrauensarbeitszeit in den folgenden Branchen üblich:

  • Softwareentwicklung
  • Multimedia
  • Telekommunikation
  • andere Dienstleistungsbereiche