Neuer Trend bei Arbeitnehmern: Der Wechsel in den Einzelhandel

Aufgrund der Corona-Pandemie haben in den letzten zwei Jahren viele Beschäftigte das Gastronomiegewerbe verlassen. Unterschiedlichste Branchen finden dadurch einen Zulauf an Arbeitskräften, doch für einen Großteil bedeutet dies den Wechsel in den Einzelhandel. Die Gründe und Folgen dieses Trends werden in diesem Artikel beleuchtet.
  • Autor: Niklas Perius
  • Letzte Aktualisierung: Oktober 11, 2022
  • 7 Minuten

© BGStock72 / Adobe Stock

Neuer Trend bei Arbeitnehmern: Der Wechsel in den Einzelhandel

In Zusammenhang mit der Corona-Pandemie haben viele Beschäftigte aus der Gastronomie in den letzten zwei Jahren den Job gewechselt. Die meisten von ihnen entschieden sich dabei für einen Wechsel in den Einzelhandel. Die Gründe dafür sind die Unzufriedenheit mit der beruflichen Situation und der Wunsch nach Aufstiegsmöglichkeiten. Aber auch andere Branchen müssen mit einem Rückgang der Mitarbeiterzahlen in den kommenden Jahren rechnen.

Hunderttausende Menschen verlassen das Gastgewerbe

Den Ergebnissen einer IW-Studie zufolge haben bundesweit allein im Jahr 2020 mehr als 200.000 Arbeitnehmer ihre Jobs in der Gastronomie aufgegeben. Von diesen vollzogen etwa 35.000 den Wechsel in den Einzelhandel und sind dort unter anderem als Verkäufer tätig. Dies geht aus den entsprechenden Daten und News vom Handelsverband Deutschland hervor. Weitere 27.000 fanden eine Anstellung im Verkehrs- oder Logistiksektor. Neben diesen Spitzenreitern lassen sich auch Abwanderungen von Fachkräften in andere Bereiche, wie z. B. die professionelle Reinigung, die Unternehmensführung sowie die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln feststellen. Jeweils etwa 5.000 bis 6.000 Beschäftigte entschieden sich in den letzten 2 Jahren zu einem Jobwechsel in einen lehrenden Beruf oder fanden eine Beschäftigung als Führer von Fahrzeug- oder Transportgeräten.

Gründe für den Branchenwechsel

Es gibt viele Antworten auf Fragen nach den Gründen für den Wechsel in den Einzelhandel, so die Ergebnisse der Studie. Unter anderem wurden Themen wie fehlende Sicherheit, ein zu geringes Gehalt, mangelnde Anerkennung vom Arbeitgeber und allgemein schlechte Bedingungen im alten Beruf wie Arbeitszeiten oder andere Faktoren angegeben. Gemeinsam mit der anspruchsvollen Aufgabe der Bedienung von Kunden, die durch die Sicherheitsmaßnahmen besonders während der Pandemie als große Herausforderung galt, sind diese Gründe für einen Jobwechsel mehr als einleuchtend.

Jobwechsel aufgrund pandemie-bedingter Schließungen

Aber auch die zahlreichen Schließungen von Einrichtungen in der Gastronomie während der Corona-Pandemie haben dazu geführt, dass viele Mitarbeiter ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben konnten und daher ein Branchenwechsel, z. B. in den Handel, notwendig war. Der Rückgang der Beschäftigten in dieser Branche sei, laut den Angaben der Autorinnen, sowohl absolut als auch prozentual am stärksten nachweisbar.

Wechsel in den Einzelhandel als Alternative zur Gastronomie

Der Grund für die Fluktuation vieler Fachkräfte aus der Gastronomie in den Einzelhandel sind bessere Arbeitsbedingungen und Perspektiven. So bietet eine Anstellung als Verkäufer oder Verkäuferin im Einzelhandel meist Dienstpläne, die sich leichter mit der Familie vereinbaren lassen. Auf diese Weise haben viele Beschäftigte trotz langer Arbeitszeiten mehr Gelegenheiten, um das Leben mit ihren Familien zu teilen. Im Gegensatz dazu zeichnen sich Jobs in der Gastronomie oft durch Arbeitszeiten bis spät in die Nacht aus, die sich nur sehr schwer mit einer guten Work-Life-Balance vereinbaren lassen. Auch das Gehalt liegt bei vielen Handelsunternehmen über dem aktuellen Mindestlohn aufgrund der freiwilligen Erhöhung des Mindestlohns im Einzelhandel von Discountern wie Lidl oder Aldi. Außerdem bieten die Arbeitgeber den Beschäftigten oftmals auch mehr Möglichkeiten auf eine Karriere als Kaufmann oder im Controlling. Daher entscheiden sich vor allem jüngere Mitarbeiter häufig für einen Berufswechsel oder eine Ausbildung in der Handelsbranche. Auch der Abschluss von einem Studium der Betriebswirtschaftslehre wirkt in vielen Fällen attraktiv und generiert neue Führungskräfte in dieser Branche.

Personalmangel in der Gastronomie macht sich mit Schließtagen bemerkbar

Aufgrund der hohen Fluktuation von Arbeitskräften in den Handel fehlen im Gastronomiesektor immer mehr Fachkräfte. Das führt dazu, dass viele Betriebe zusätzliche Schließtage einführen oder ihr Angebot deutlich einschränken müssen. Beispielsweise sind viele Hotels bundesweit aktuell nicht voll ausgelastet, da das hierzu notwendige Personal fehlt, um die Kunden umfassend betreuen zu können. Mit intensiven Lohnsteigerungen sollen die Jobs für Bewerber in Zukunft wieder lukrativer gemacht werden. Auch das Image des Gastgewerbes soll durch derartige Maßnahmen wieder aufpoliert werden.

Unterbezahlung als Kündigungsgrund

Einer der wichtigsten Gründe für den Wechsel in den Einzelhandel oder andere Berufe ist die mangelnde Bezahlung. Mit einem Jobwechsel können die Arbeitnehmer durchschnittlich bis zu 30 % mehr Gehalt bekommen. Deshalb haben sich vor allem seit Beginn der Pandemie 2020 immer mehr Menschen dafür entschieden, ihre Stellen im Gastgewerbe gegen eine Einstellung als Einkäufer oder Einzelhändler im Verkauf zu tauschen. Aber auch in anderen Branchen wird anhand der Angaben von Arbeitnehmern in der Studie deutlich, dass der Berufswechsel ein wichtiges Thema ist, mit dem sich viele Leute derzeit intensiv auseinandersetzen. Aufgrund des eklatanten Personalmangels sind Fachkräfte in vielen Branchen so gefragt wie nie. 37 % aller Angestellten können sich den Ergebnissen der IW-Befragung zufolge einen Jobwechsel durchaus vorstellen.

Muss Deutschland eine „Great Resignation“ befürchten?

Aufgrund der Inhalte und Ergebnisse der Studie stellt sich die Frage nach der weiteren Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Angesichts von besseren Alternativen zum derzeitigen Job, z. B. einer Anstellung als Führungskräfte oder der Aussicht auf eine Ausbildung bzw. ein Studium in Fächern wie Betriebswirtschaftslehre kündigen immer mehr Menschen ihren Job. Dieses Phänomen lässt sich auch in den USA seit 2020 beobachten und trägt dort die Bezeichnung „Great Resignation“. So kommt es, dass es immer weniger Beschäftigte mit Berufserfahrung in den weniger beliebten Branchen gibt, die die notwendige Arbeit erledigen könnten.

Dies könnte schon bald auch hierzulande zur traurigen Realität werden. Vor allem junge Arbeitnehmer reichen oft eine Kündigung ein, ohne eine Alternative in Aussicht zu haben, oder die entsprechende Ausbildung zu besitzen, die es ihnen ermöglichen würde, beispielsweise im Handel oder als Verkäufer, eine neue Karriere anzustreben. Hierdurch könnte die deutsche Wirtschaft mittelfristig in eine Sackgasse geraten, wie ein Artikel von Niklas Lewanczik verrät. Dieser bietet auf der entsprechenden Seite einen Überblick darüber, welche Studien es zu diesem Gegenstand bereits gibt, und welche Ergebnisse diese jeweils liefern.

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Jobportal Monster veröffentlicht aktuelle Studienergebnisse

Das Jobportal Monster hat zusammen mit YouGov unter seinen Nutzern eine Befragung zum Thema „Great Resignation/ Kündigungswelle auch in Deutschland(?)“ durchgeführt. Bei diesem Jobportal können Jobsuchende oder Arbeitgeber sich mit ihrer E-Mail-Adresse und einem persönlichen Profil registrieren und erhalten auf Wunsch Jobangebote oder Kandidatenvorschläge per E-Mail zugesandt, die ihren persönlichen Suchkriterien entsprechen. Die Nutzung des Portals ist dabei kostenlos und kann von Menschen mit oder ohne Abschluss in Anspruch genommen werden, ohne dass dafür Beiträge erhoben werden.

Ergebnisse der Befragung auf Monster

Die Ergebnisse der Umfrage teilte Monster in seinem HR-Report für 2022. Dabei war besonders auffällig, dass insgesamt über 90 % der befragten Unternehmen planen, in diesem Jahr Stellen für Personal auszuschreiben. Dieser Wert liegt 12 % über dem des vergangenen Jahres und ist gekoppelt mit der Schwierigkeit, passende Bewerber zu finden. Dies stellt, laut dem Artikel, der die Ergebnisse der Befragung im Netz zusammenfasst, einen weiteren Anreiz vieler Beschäftigten dar, ihren derzeitigen Job aufzugeben und nach passenden Alternativen Ausschau zu halten.

Imageverlust nicht nur in der Gastronomie bemerkbar – Flughäfen aufgrund von Personalmangel überlastet

Die alarmierenden Zahlen, die den Rückgang der Beschäftigten im Gastgewerbe beschreiben, sind kein Einzelfall. Auch an Deutschlands Flughäfen zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Dies wird vor allem in der Urlaubszeit deutlich, wenn zahlreiche Flüge gestrichen werden müssen, weil es nicht mehr genug Beschäftigte gibt, oder diese sich aufgrund einer Ansteckung mit dem Corona-Virus krank melden müssen.

Handel als Vorreiter für bessere Arbeitsbedingungen

Die Inhalte und Ergebnisse der IW-Studie zeigen, dass die Gastronomie lediglich der Vorreiter für eine Entwicklung ist, die schon bald die Ausmaße der US-amerikanischen „Great Resignation“ annehmen könnte. Während ein junger Mann oder eine junge Frau als Praktikant oder Praktikantin im Studium ein bisschen Geld mit der Arbeit im Gastgewerbe dazuverdienen können, streben die meisten nach ihrem Abschluss und dem Verlassen des Campus eine andere Karriere an. Aber auch viele Beschäftigte aus anderen Branchen teilen die Vorstellung, dass sie es beruflich auch etwas besser treffen können, verrät der entsprechende Artikel im Netz. Um den drohenden Imageverlust vieler Branchen abzuwenden, sind Maßnahmen wie gezielte Werbung und die Schaffung von besseren Bedingungen wie einer Arbeitszeitflexibilisierung, wie dies aktuell im Einzelhandel der Fall ist, daher unabdingbar.

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Zusätzlich werfen wir regelmäßig einen Blick in die Branchen unserer Kunden wie beispielsweise Gastronomie, Einzelhandel oder dem Management von Arztpraxen. Seid gespannt!

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Verfasst von Niklas

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