Auch in Österreich: Forderungen nach längeren Arbeitszeiten werden lauter

Nachdem zuletzt in Deutschland Forderungen nach längeren Arbeitszeiten als Mittel gegen den Fachkräftemangel zu vernehmen waren, gibt es jetzt auch in Österreich entsprechende Wortmeldungen – zuletzt von WKO-Präsident Mahrer.
Innenstadt in Österreich

© xbrchx / Adobe Stock

Auch in Österreich: Forderungen nach längeren Arbeitszeiten werden lauter

Nachdem zuletzt in Deutschland Forderungen nach längeren Arbeitszeiten als Mittel gegen den Fachkräftemangel zu vernehmen waren, gibt es jetzt auch in Österreich entsprechende Wortmeldungen – zuletzt von WKO-Präsident Mahrer.

Während die einen ihre Arbeitszeiten verkürzen möchten und sich beispielsweise für eine Vier-Tage-Woche aussprechen, sind vor allem aus der Wirtschaft Forderungen nach einer Ausweitung der Arbeitszeit zu vernehmen wie beispielsweise vom Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft Michael Hüther. Argumentiert wird dabei meist mit dem bestehenden Fachkräftemangel in manchen Branchen, der sich aufgrund des demographischen Wandels weiter verstärken soll.

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Auch in Österreich sind Forderungen nach einer Ausweitung der Arbeitszeit zu vernehmen. Zuletzt äußerte sich dazu der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) Harald Mahrer. Er äußerte sich in einem Interview mit dem Kurier zur Debatte um die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden und bezeichnete diese als „abgehoben, realitätsfremd und weit weg von den Menschen“.  Wenn man darüber nachdenke, dann erschließe sich, dass weniger Arbeit für alle zu einer persönlichen Betroffenheit führe, die sich niemand wünsche.

Eine Umfrage zu den möglichen Auswirkungen kürzerer Arbeitszeiten scheint Mahrers These zu stützen. So halten es zu Beispiel 84 Prozent der befragten Österreicher für nicht oder weniger akzeptabel, wenn sie aufgrund kürzerer Arbeitszeiten länger auf einen OP-Termin warten müssten. 79 Prozent lehnen Kürzungen der Pension als Folge ab, 75 Prozent sind gegen reduzierte Kinderbetreuungszeiten.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Österreich ist nach Zahlen von Statistik Austria von 35,7 Stunden im Jahr 2004 auf 30 Stunden im Jahr 2022 gesunken. Das liegt vor allem am gestiegenen Anteil von Teilzeitbeschäftigungen.

Teilzeitarbeitskräfte angesprochen

Mahrer adressiert mit seiner Forderung nach längeren Arbeitszeiten „alle und bei Teilzeitarbeitenden auch jede, die keine Betreuungspflichten haben und versuchen, sich aus dem Solidarsystem des Staates zu verabschieden“. Österreichs Solidarsystem sei so aufgebaut, dass jeder nach dem Leistungsfähigkeitsprinzip etwas zum System beitrage. Nur so ließen sich das Sozialsystem und der Wohlstand erhalten und weiterentwickeln. Zudem würden aufgrund der alternden Gesellschaft mehr Menschen in Pension gehen als ins Erwerbsleben einsteigen. Das könne auf Dauer nicht passen, so Mahrer.

Mehr als 200.000 offene Stellen in Österreich

Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) in Österreich, Christoph Neumayer, lehnt eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich angesichts rund 200.000 offener Stellen in Österreich ebenfalls ab. Laut Statistik Austria lag die Zahl offener Stellen in Österreich im ersten Quartal des Jahres sogar bei fast 230.000. Eine Arbeitszeitverkürzung auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich würde zu einem weiteren Inflationsschub führen, weil jede eingekaufte Dienstleistung deutlich teurer werde. Man würde bei gleichem Verdienst für alles mehr zu bezahlen haben.

SPÖ und Gewerkschaften befürworten Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich

Anders sieht man das bei der SPÖ. Für Parteichef Andreas Babler ist eine generelle Arbeitszeitverkürzung auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich ein „logischer Schritt“. Ähnlich sehen es die Arbeiterkammer (AK) und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) sowie die Grünen.

Mehr oder weniger arbeiten: eine individuelle Entscheidung?

Anhand der laufenden Diskussion um die Länge der Arbeitszeiten wird eines deutlich: Während manche die Frage, wie lange sie arbeiten möchten, als rein individuelle Entscheidung ansehen, betonen andere die gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung jedes Einzelnen. Wenn es um Frage des Wohlstands oder der sozialen Absicherung geht, spielt der Beitrag aller eine wichtige Rolle. Doch darf das beispielsweise dazu führen, dass Teilzeitarbeit erschwert wird? Ob es außerdem eine Verkürzung der Arbeitszeit für alle bei vollem Lohnausgleich geben kann, ist eine weitere Frage, die sicherlich nicht ohne Betrachtung der jeweiligen Branche beantwortet werden kann.



Verfasst von Christian Kunz

Christian verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement, Produktmanagement sowie agiler Projektentwicklung, die er in verschiedenen Unternehmen erworben hat.