Flexible Arbeitszeitmodelle: von der 30-Stunden-Woche bis zu unbegrenztem Urlaub

Um dem Wunsch der Mitarbeiter nach mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten entgegenzukommen, bieten sich verschiedene Modelle an. Sechs davon werden in diesem Beitrag vorgestellt.
Flexible Arbeitszeiten

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Flexible Arbeitszeitmodelle: von der 30-Stunden-Woche bis zu unbegrenztem Urlaub

Fixe Arbeitszeiten und die klassische 40-Stunden-Woche gelten als überholt und stehen einer gesunden Work-Life-Balance im Weg. Um dem Wunsch der Mitarbeiter nach mehr Flexibilität entgegenzukommen, bieten sich verschiedene Modelle an. Sechs davon werden in diesem Beitrag vorgestellt.

Der 9-to-5-Job, bei dem man täglich acht Stunden im Büro verweilt, wirkt wie ein Modell von gestern. Studien ergeben, dass vor allem junge Arbeitnehmer großen Wert auf flexible Arbeitszeitmodelle legen. So zeigt zum Beispiel die Workforce Preference Study von PwC für das Jahr 2020 für die Region EMEA, dass flexiblen und planbaren Arbeitszeiten sowie der Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, eine große Bedeutung zugeschrieben wird. Vielfach ist den Arbeitnehmern ein flexibles Arbeitszeitmodell sogar wichtiger als das Gehalt. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der Arbeitnehmerschaft würde einen Jobwechsel zu einem Arbeitgeber mit flexibleren Arbeitsbedingungen in Erwägung ziehen.

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Doch was genau ist unter flexiblen Arbeitszeiten zu verstehen? Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Modellen und Ansätzen, die in verschiedenen Unternehmen erprobt werden oder sogar schon etabliert sind. Sechs dieser Modelle werden in diesem Beitrag vorgestellt.

30-Stunden-Woche

Sicherlich der radikalste Ansatz in der Reihe der hier vorgestellten Modelle ist die 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt. Die Mitarbeiter können in diesem Modell die 30 Stunden nach Belieben auf die Woche verteilen. Das bedeutet, sie können jeden Tag weniger arbeiten oder einfach an weniger Tagen pro Woche tätig sein.

Damit ein solches Modell funktioniert, bedarf es jedoch intensiver Vorbereitungen. Es muss geklärt werden, welche Tätigkeiten eingespart werden können und welche unbedingt benötigt werden. Dazu ist eine längere Testphase notwendig. Ansonsten kann es durch die deutliche Senkung der Arbeitszeit zu Problemen im Betrieb kommen.

Die Mitarbeiter sind in diesem Modell besonders gefragt, denn ohne Disziplin und Selbstkontrolle können sie nicht die gleiche Leistung in kürzerer Zeit erbringen. Dazu ist es unerlässlich, dass die verbleibende Arbeitszeit so effizient und produktiv wie möglich genutzt werden kann.

Für das Unternehmen ergibt sich daraus der große Vorteil, dass es für gut ausgebildete Fachkräfte attraktiver wird. Das wiederum kann die Leistungsfähigkeit des Unternehmens insgesamt steigern.

Die Vier-Tage-Woche

Bereits mit einer vergleichsweise geringen Reduzierung der Arbeitszeit lässt sich die Vier-Tage-Woche realisieren. So genügt zum Beispiel eine Senkung auf 36 Stunden pro Woche, um vier Tage zu jeweils neun Stunden am Tag zu ermöglichen. Die Mehrarbeit pro Tag hält sich dabei also in Grenzen, während die Mitarbeiter einen ganzen Tag hinzugewinnen, den sie für die Familie, für Erledigungen oder einfach für ihre Freizeit verwenden können.

Dass ein solcher Ansatz durchaus Erfolge mit sich bringen kann, zeigen Ergebnisse aus Island. Dort gab es im Zeitraum von 2015 bis 2019 verschiedene Versuche, an denen insgesamt 2500 Arbeitnehmer beteiligt waren. Das entspricht einem Prozent der berufstätigen Bevölkerung des Landes. Weil die Versuche erfolgreich verliefen, haben nun 86 Prozent der isländischen Arbeitnehmer ein Anrecht auf verkürzte Arbeitszeiten.

Saisonale Vier-Tage-Woche

Eine Variante der klassischen Vier-Tage-Woche ist die saisonale Vier-Tage-Woche. Sie kann zum Beispiel über die Sommermonate gelten. Gerade in dieser Zeit ist es vielen Mitarbeitern wichtig, über mehr Freizeit zu verfügen, um zum Beispiel im Garten zu arbeiten oder einfach nur das schöne Wetter zu nutzen. Darüber hinaus kann eine saisonale Vier-Tage-Woche auch ein Einstieg in eine permanente Vier-Tage-Woche sein. So können Erfahrungen gesammelt werden, die im späteren Dauerbetrieb umgesetzt werden.

Wahlmöglichkeit: mehr Geld oder mehr Freizeit

Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern noch mehr Flexibilität: Sie können zwischen mehr Gehalt und mehr Freizeit wählen. Das funktioniert so: Die Mitarbeiter entscheiden beispielsweise, ob sie jeden zweiten Freitag zu Hause bleiben möchten, oder ob sie lieber mehr arbeiten und entsprechend mehr Geld erhalten möchten. Als zusätzliche Wahlmöglichkeit können die Mitarbeiter in manchen Unternehmen entscheiden, ob sie über die normale Arbeitszeit hinaus Überstunden leisten möchten, was in Phasen hoher Auslastung hilfreich sein kann. Allerdings darf daraus keinesfalls eine Verpflichtung zur Mehrarbeit entstehen. Dies würde die Vorzüge des Modells zunichtemachen.

Urlaub bis zum Abwinken

Statt der klassischen 30 Urlaubstage bieten manche Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, mehr freie Tage in Anspruch zu nehmen – bei entsprechend weniger Bezahlung. So könnten Mitarbeiter theoretisch mehrere Monate am Stück Urlaub nehmen. Eine Einschränkung dabei ist allerdings, dass dies mit den Kollegen und dem Team abgestimmt sein muss, damit die Produktivität des Unternehmens nicht leidet.

Beobachtungen aus dem Bereich Nordamerika zeigen jedoch, dass die Mitarbeiter keineswegs automatisch deutlich mehr Tage frei nehmen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Das kann auch mit der Angst zu tun haben, etwas zu verpassen. Dies wird auch als Fomo bezeichnet („Fear of missing out“).

Dabei stellt sich außerdem die Frage, ob diese Erkenntnisse einfach auf den europäischen Raum übertragen werden können.

Job Sharing

Eine neue und flexible Form des Job Sharings sieht vor, dass sich zwei (oder sogar mehr) Arbeitnehmer die Arbeitszeit eines Jobs teilen. Wer welchen Anteil des Kontingents übernimmt, stimmen die beteiligten Mitarbeiter miteinander ab. Damit das funktioniert, bedarf es eines besonders engen Austauschs zwischen den Mitarbeitern, denn wer für den anderen übernehmen muss, der muss genauestens über den aktuellen Stand und die anstehenden Tätigkeiten informiert sein.

Ein solches Modell eignet sich zum Beispiel für Pflegeberufe oder im Gesundheitssektor.

Fazit

Neben den beschriebenen Modellen gibt es viele weitere Ansätze zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Allen Ansätzen ist gemein, dass sie eine besondere Kooperation zwischen den Mitarbeitern und den Teams erfordern, damit es nicht zu Ausfällen und einem Rückgang der Produktivität kommt.

Nicht jedes Modell ist für jedes Unternehmen geeignet. Daher bedarf es vor der Einführung ausgiebiger Evaluierungen und Tests.

Wichtig ist außerdem, dass auch die unterstützenden Prozesse im Unternehmen zum gewählten flexiblen Arbeitszeitmodell passen. Hier haben sich insbesondere Werkzeuge zur digitalen Zeiterfassung und zum Online-Erstellen von Dienstplänen etabliert.



Verfasst von Christian Kunz

Christian verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement, Produktmanagement sowie agiler Projektentwicklung, die er in verschiedenen Unternehmen erworben hat.