Arbeitszeitkonten: Sind in Krisenzeiten Minus-Salden sinnvoll?

Unternehmen, die in Krisenzeiten die Salden der Arbeitszeitkonten ihrer Mitarbeiter bis ins Minus abbauen, setzen sich verschiedenen Risiken aus. Ein moderater Abbau von angefallenen Überstunden kann aber hilfreich sein.
  • Autor: Christian Kunz
  • Letzte Aktualisierung: November 15, 2022
  • 3 Minuten
Arbeitszeitkonto Bilanz

© Wolfilser / Adobe Stock

Arbeitszeitkonten: Sind in Krisenzeiten Minus-Salden sinnvoll?

Unternehmen, die in Krisenzeiten die Salden der Arbeitszeitkonten ihrer Mitarbeiter bis ins Minus abbauen, setzen sich verschiedenen Risiken aus. Ein moderater Abbau von angefallenen Überstunden kann aber hilfreich sein.

Arbeitszeitkonten bringen den großen Vorteil, dass sie einen Ausgleich zwischen Zeiten mit erhöhtem Arbeitsaufkommen und Zeiten mit geringer Arbeitslast schaffen können. Arbeitnehmer zahlen in Hochzeiten Überstunden auf ihr Arbeitszeitkonto ein und können ihr gesammeltes Guthaben später nutzen, um ihre Arbeitszeit zu reduzieren.

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Krisen wie zum Beispiel die Corona-Pandemie oder eine wirtschaftliche Rezession können die Auftragslage von Unternehmen negativ beeinträchtigen. In solchen Zeiten kann es sich anbieten, die Salden von Arbeitszeitkonten abzubauen. Auf diese Weise werden bestehende Arbeitszeitguthaben reduziert. Es können dabei sogar Arbeitszeitschulden bzw. Minusstunden entstehen. Die Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter weisen dann negative Salden auf. Ist ein solcher Abbau von Arbeitszeitguthaben bis ins Minus hinein eine sinnvolle Reaktion von Unternehmen auf Krisensituationen? Es gibt verschiedene Gründe, die dagegensprechen.

Risiken von Minusstunden auf Arbeitszeitkonten

Zunächst einmal sind Minusstunden auf einem Arbeitszeitkonto für die Unternehmen mit verschiedenen Risiken verbunden. So gibt es in vielen Unternehmen, in denen Arbeitszeitkonten zum Einsatz kommen, ein Missverhältnis der Salden in der Belegschaft. Vor allem unverzichtbare Mitarbeiter weisen oftmals die größten Guthaben auf. Aufgrund ihrer Bedeutung für das Unternehmen haben es diese Mitarbeiter schwerer, ihr Guthaben abzubauen. Es kann also zur Situation kommen, dass ein Teil der Belegschaft ein wachsendes Arbeitszeitguthaben aufbaut, während ein anderer Teil der Belegschaft bereits deutlich ins Minus gerutscht ist. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, das die Mitarbeiterzufriedenheit stören kann.

Keine Kostenersparnis durch negative Arbeitszeitsalden

Auch mit Blick auf die Kosten bringen negative Arbeitszeitkonten keine Vorteile für Unternehmen. Für sie sind negative Salden auf den Arbeitszeitkonten gleichbedeutend mit einem Entgeltvorschuss für ihre Arbeitnehmer. Dadurch verschlechtert sich die finanzielle Situation der Unternehmen. Hinzu kommt, dass Unternehmen diesen Entgeltvorschuss nicht buchhalterisch als Forderung verbuchen können.

Scheidet ein Mitarbeiter mit einem negativen Arbeitszeitkonto aus, so darf das Unternehmen nur dann einen Entgeltabzug vornehmen, wenn der Mitarbeiter den negativen Saldo zu vertreten hat. Bei einem aufgrund einer Krise ins Minus geratenen Arbeitszeitkonto ist davon in aller Regel nicht auszugehen. Das bedeutet, dass das Unternehmen auf seinem Arbeitszeitguthaben sitzenbleibt.

Negative Arbeitszeitsalden psychologisch problematisch

Aus psychologischer Sicht können Minus-Salden auf Arbeitszeitkonten ein Motivationshemmnis für die Arbeitnehmer sein. Weist ein Arbeitszeitkonto ein hohes Defizit aus, dann bedeutet das, dass der betreffende Mitarbeiter viel zusätzliche Arbeit leisten muss, ohne davon direkt zu profitieren – sowohl mit Blick auf das Entgelt als auch mit Blick auf Freizeit. Bei einem Negativsaldo von 60 Arbeitsstunden müsste ein Arbeitnehmer zum Beispiel etwa ein halbes Jahr lang drei Stunden pro Woche mehr arbeiten, um das Arbeitszeitkonto auszugleichen.

Abbau von angesammelten Arbeitszeitguthaben kann in Krisenzeiten hilfreich sein

Gegen einen moderaten Abbau angesammelter Arbeitszeitguthaben in Krisenzeiten spricht dagegen wenig. Im Gegenteil: Das Instrument ist ja für Unternehmen mit schwankender Arbeitslast gedacht und passt daher auch auf einen krisenbedingten Auftragsrückgang. Auf diese Weise genießen die Mitarbeiter zusätzliche Sicherheit, auch in schwierigen Situationen und bei weniger geleisteter Arbeit nicht von Einkommenseinbußen betroffen zu sein.

Für besonders schwierige und länger andauernde Phasen bietet sich dagegen das Anmelden von Kurzarbeit an.

Fazit

Ein Abbau angesammelter Guthaben auf Arbeitszeitkonten kann eine mögliche Reaktion von Unternehmen in Krisenzeiten sein. Der Aufbau von Minusstunden ist dagegen mit verschiedenen Risiken für die Unternehmen verbunden. Eine direkte Senkung der Kosten ergibt sich dadurch nicht. Zudem kann die Motivation der Mitarbeiter nachhaltig leiden. Hier kommt es also darauf an, das Instrument des Arbeitszeitkontos mit Augenmaß zu verwenden.



Verfasst von Christian Kunz

Christian verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement, Produktmanagement sowie agiler Projektentwicklung, die er in verschiedenen Unternehmen erworben hat.