Nachtarbeit

Nachtarbeit Definition

Die Arbeit zur Nachtzeit ist in Deutschland grundsätzlich genehmigungs- bzw. bewilligungsfrei. Einem Arbeitgeber steht es deshalb innerhalb der gesetzlichen Grenzen frei, seine Angestellten auch zur Nachtzeit arbeiten zu lassen. Als Nachtarbeit gilt nach der Legaldefinition in § 2 Abs. 3 und Abs. 4 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) jedes mehr als zwei Stunden andauernde Tätigwerden zwischen 23 und 6 Uhr. Für Bäckereien und Konditoreien ist die Nachtzeit zwischen 22 und 5 Uhr festgelegt.

Als Nachtarbeitnehmer gelten gem. § 2 Abs. 5 ArbZG solche Arbeitnehmer, die üblicherweise Nachtarbeit im Schichtdienst leisten oder an mindestens 48 Tagen im Jahr zur Nachtzeit arbeiten. Das Gesetz räumt Nachtarbeitnehmern aufgrund der potenziellen gesundheitlichen Risiken einen besonderen Schutz ein. So hat ein Nachtarbeitnehmer unter 50 Jahren das Recht, alle drei Jahre eine arbeitsmedizinische Untersuchung durchführen zu lassen, die der Arbeitgeber vollständig zu zahlen hat. Sofern die Gefahr einer konkreten Gesundheitsgefährdung besteht, kann ein Arbeitnehmer einen Wechsel zur Tagesarbeit beantragen. Bei der Erstellung von Schicht- und Dienstplänen ist darauf zu achten, dass genügend freie Zeit eingeräumt wird.

Trotz der liberalen gesetzlichen Regelung stellt Nachtarbeit auf den Arbeitsmärkten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz die Ausnahme dar. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Arbeit zur Nachtzeit die Alltagsführung nicht nur unerheblich erschwert. In den folgenden Branchen ist Nachtarbeit besonders üblich:

  • Not- und Rettungsdienste
  • Schutz und Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (z. B. Polizei und Feuerwehr)
  • Krankenhäuser, Pflegestationen und vergleichbare medizinische Einrichtungen
  • Gaststätten- und Hotelbetrieb
  • Musik-, Theater und ähnliche Kulturveranstaltungen
  • Bewachung
  • Landwirtschaft und Tierhaltung

Nachtarbeit in der Praxis

In der Praxis spielen vor allem die Zuschläge für Nachtarbeit eine große Rolle. Der Zuschlag auf das Basisentgelt soll die Tatsache honorieren, dass Arbeitnehmer zu einem Zeitpunkt arbeiten, an dem die Mehrheit der Beschäftigten frei hat. Damit ist die Zielsetzung des Nachtzuschlages vergleichbar mit der Intention des Sonntagszuschlags bei Sonntagsarbeit. Die rechtliche Grundlage dieser Zuschläge bilden vor allem Tarif- und Arbeitsverträge. Das ArbZG sieht in § 6 Abs. 5 vor, dass Nachtarbeit durch einen Zuschlag oder eine angemessene Anzahl bezahlter freier Tage zu entlohnen ist. Der Staat verzichtet auf eine Besteuerung des Nachtzuschlags, um die gewünschten Anreizeffekte nicht zu unterlaufen. In der Praxis gelten Zuschläge zwischen 25 % und 30 % als angemessen (vgl. Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 09.12.2015, Az. 10 AZR 423/14).