Wunsch nach hybridem Arbeiten führt zu mehr Kündigungen

Spätestens seit der Corona-Pandemie haben viele Arbeitnehmer den Wunsch nach hybridem Arbeiten. Können Arbeitgeber keine flexiblen Arbeitsmodelle anbieten sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer häufiger auch dazu bereit, zu kündigen.
  • Autor: Niklas Perius
  • Letzte Aktualisierung: November 15, 2022
  • 7 Minuten
Wunsch nach hybridem Arbeiten

© Meeko Media / Adobe Stock

Wunsch nach hybridem Arbeiten führt zu mehr Kündigungen

Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich in Deutschland der Wunsch nach hybridem Arbeiten zunehmend etabliert. Die flexiblen Arbeitszeiten kommen vor allem Mitarbeitern mit Familien zugute. Allerdings sind viele Mitarbeiter mit den derzeitigen Bedingungen nicht zufrieden und erwägen sogar die Kündigung aufgrund mangelnder Flexibilität am Arbeitsplatz.

Fehlende Flexibilität am Arbeitsplatz als Kündigungsgrund

In vielen deutschen Betrieben gehören flexible Arbeitszeiten laut einer Studie des beruflichen Netzwerks Linkedin seit der Corona-Pandemie 2020 zum normalen Alltag. 78% der Personalverantwortlichen geben zu, dass es in ihrem Betrieb hierzu offizielle Regelungen gibt und 83% der Betriebe haben die geltenden Richtlinien infolge der Pandemie angepasst. Zu diesen zählen auch Regelungen zur Zeiterfassung und Dienstplanung im Homeoffice.

Diskrepanz zwischen Forderung nach Flexibilität und tatsächlichem Angebot

Die Erwartung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an die Flexibilität der Arbeitszeiten bleibt jedoch laut Umfragen dennoch hinter den tatsächlichen Möglichkeiten zurück, die Arbeitgeber derzeit bieten können. Obwohl 83% der Arbeitgeber glauben, dass ihre Mitarbeiter mit den geltenden Bedingungen zufrieden sind, erwägen rund 40% eine Kündigung aufgrund mangelnder Flexibilität im Betrieb. 17% der Befragten haben tatsächlich bereits einmal oder mehrfach ihren Job gekündigt, weil dieser ihnen nicht genügend Arbeitszeitflexibilisierung bieten konnte.

Mitarbeiter wünschen sich auch nach Corona flexible Arbeitsbedingungen

Während einige die flexiblen Arbeitsmöglichkeiten im Home Office aufgrund von Covid-19 vor allem als Übergangsphänomen betrachteten, haben andere sich auf diese Transformation auf dem Arbeitsmarkt inzwischen eingestellt. Knapp 75% aller Beschäftigten wollen auch nach Corona nicht auf die flexiblen Arbeitszeiten des Unternehmens verzichten. Auf diese Weise haben sie laut eigener Aussage mehr Freizeit, da sie ihre Tätigkeiten bei der Remote Arbeit auch bequem von zu Hause erledigen können. Dies wirkt sich vorteilhaft auf die Möglichkeit der individuellen Lebensgestaltung aus und bietet Mitarbeitenden Vorteile und neue Perspektiven im Hinblick auf die Büroarbeit.

Unternehmen müssen Willen für hybride Arbeitsformen demonstrieren

Bereits während der Corona-Pandemie hat sich der Trend zur Digitalisierung und der Zusammenarbeit über räumliche Entfernungen hinweg etabliert. Diese Entwicklung scheint sich auch nach dem Ende der Lockdowns fortzusetzen. Daher spricht sich Barbara Wittmann, Country Managerin bei Linkedin für den DACH Raum, dafür aus, dass Unternehmen den Wunsch der Mitarbeitenden nach flexiblen Arbeitsformen ernst nehmen sollten, um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. Momentan bildet die Strategie oder Führung in den meisten Unternehmen dies jedoch noch nicht hinreichend ab.

Flexibles Arbeiten bringt Chancen und Vorteile für Zusammenarbeit

Den Ergebnissen der Studie zufolge bringt Hybrid Work einen enormen Mehrwert für alle Beteiligten: Die mentale Gesundheit von Arbeitnehmern und Arbeitgebern verbessert sich dadurch jeweils um 25%. Außerdem wird die Produktivität von beiden Seiten durch Remote Work in der Praxis um rund 30% erhöht.

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Hat der Wunsch nach hybridem Arbeiten Nachteile für Frauen?

Die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten, kommt derzeit vor allem Frauen zugute. Diese wünschen sich, der Studie zufolge, häufiger als Männer die Möglichkeit, in Gleitzeit zu arbeiten oder ihre Arbeitszeit zu reduzieren. 56% der befragten Personalverantwortlichen gehen davon aus, dass Männer das Ende der pandemisch bedingten Beschränkungen nutzen, um wieder in die gewohnte Form der Arbeitsorganisation im Büro zurück zu kehren, während Frauen es vorziehen, auch weiterhin von zu Hause aus zu arbeiten. Als Gründe hierzu nennen sie die Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen, sich zugleich auch um Haushalt und Kinder zu kümmern. Laut einer Studie von Indeed aus dem Jahr 2022 sind die meisten Mitarbeiter in dieser Hinsicht sehr zufrieden mit den Bedingungen, die ihre Arbeitgeber ihnen im Hinblick auf flexibles Arbeiten ermöglichen.

Schlechtere Beziehungen zu Kollegen als Folge von Hybrid Work

Daraus ergibt sich jedoch auch das Risiko, dass Frauen mit diesem Arbeitsmodell weniger Chancen bekommen, eine gute Beziehung zu ihren Arbeitskollegen aufzubauen. Rund ein Fünftel aller Befragten äußerte diese Befürchtung. Weitere Vermutungen waren das Risiko der Frauen, durch ihre Arbeit im Home Office weniger berufliche Chancen zu erhalten als andere Mitarbeiter und sich auch weniger im Recht zu fühlen, die Entlohnung für die tatsächlich geleistete Arbeit zu beanspruchen. Dies wurde von 24% bzw. 23% der befragten Personalverantwortlichen angegeben. Um eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen zu vermeiden, sei daher laut Wittmann ein Umdenken in Bezug auf hybrides Arbeiten notwendig.

Hybrides Arbeiten neu denken als Lösung

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass auch Männer die Möglichkeit für hybrides Arbeiten in all ihren Facetten nutzen sollten, um Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern zu ermöglichen. Auf diese Weise würde sich die aktuelle Doppelbelastung der Frauen reduzieren lassen und es könnte eine Arbeitswelt entstehen, die Frauen nicht mehr benachteiligt. Dies bedeutet unter anderem ein breiteres Konzept für die aktuell verfügbaren Arbeitsmodelle. Aber auch die Auszeiten vom Arbeitsalltag wie Sabbaticals, Weiterbildungen oder Elternzeit sollten in diesem Zusammenhang neu definiert werden.

Unterbrechung der Arbeitszeit wird immer weniger negativ bewertet

Obwohl aktuell noch immer 46% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer davon ausgehen, dass Lücken im Lebenslauf ein Hinderungsgrund für eine Anstellung sind, findet in den Betrieben derzeit tatsächlich ein Umdenken diesbezüglich statt. Demnach sind 46% der Führung von Unternehmen offen dafür, auch Menschen einzustellen, die in ihrer beruflichen Laufbahn eine oder mehrere Unterbrechungen haben. 97% von ihnen gehen zudem davon aus, dass die Mitarbeiter auch während ihrer Auszeit wertvolle Fähigkeiten erwerben können. Auch die Arbeitnehmer selbst teilen diese Einschätzung. Knapp 60% von ihnen konnten während dieser Auszeit ihr Wohlbefinden stärken, sich Gedanken über ihren künftigen Lebensweg machen und sich neue Skills aneignen.

Berufliche Auszeiten sollten mehr Anerkennung finden

Die Fähigkeit der Mitarbeitenden, berufliche Herausforderungen mit mehr Geduld, Selbstbewusstsein, Kreativität, Zeitmanagement und Problemlösungskompetenz zu bewältigen, nachdem sie sich eine Auszeit vom Beruf genommen haben, konnten auch 71% der Arbeitgeber bestätigen. Dennoch und gerade deshalb sei es wichtig, das alte Stigma aufzulösen, dass Lücken im Lebenslauf als per se negativ bewertet werden, so Barbara Wittmann.

Hybrides Arbeiten als Chance für alle Beteiligten

Um berufliche Chancen und eine Gleichberechtigung zu ermöglichen, ist hybrides Arbeiten mit flexibler Arbeitszeitgestaltung in der modernen Arbeitswelt unabdingbar. Remote Mitarbeiter, die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten und die Offenheit der Arbeitgeber hierfür sind die Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende ihre Talente sinnvoll und langfristig zielführend in das Unternehmen einbringen können.

Hybrid Work in den USA

Laut einer aktuellen Analyse des Beratungsunternehmens Gartner werden im Jahr 2022 vermutlich ca. 37,4 Millionen Arbeitnehmer in den USA ihren Platz kündigen. Vor Beginn der pandemischen Entwicklungen waren es noch 31,9 Millionen pro Jahr. Dieser Trend wird vor allem von Menschen getragen, die den Wunsch nach „Hybrid Work“, zu deutsch: Hybride Arbeit haben, sagt Piers Hudson, Senior Director im Bereich Human Resources. Aktuell kann diese Forderung jedoch nicht immer in gewünschtem Maße von den Arbeitgebern erfüllt werden, was zur Unzufriedenheit der Mitarbeitenden und letztendlich auch zum Wunsch nach Kündigung führt.

Hybrid Work nicht überall anerkannt

Sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte erleben laut der Umfrage von Gartner aktuell tatsächlich eine Fehlausrichtung bei der Arbeit. So gaben 68% der Arbeitnehmer auf entsprechende Fragen hin an, dass von ihnen verlangt worden sei, ins Büro zurückzukehren, obwohl sie ihre Arbeit für das Unternehmen auch von zu Hause hätten erledigen können. Auf der anderen Seite bringt der Zwang zum hybriden Arbeiten neue Herausforderungen. Mehr als 50% der Befragten gaben an, dass sie die hybride Arbeit als wesentlich anstrengender empfunden haben, als die Arbeit im Homeoffice oder Büro.

Hybride Arbeit als Chance für eine gesunde Work Life Balance

Die Herausforderung der hybriden Arbeit besteht aktuell darin, diese mit dem eigenen Privatleben und der Freizeit sinnvoll zu vereinbaren. Eine mögliche Lösung liegt darin, neue Konzepte und Modelle für Hybrid Work den Führungskräften und Managern von den HR-Verantwortlichen nahe zu bringen. So sollen flexible Arbeitsmodelle als wesentlicher Teil der Mitarbeiter-Erfahrung anerkannt werden. Die Strategie besteht darin, den Wandel als Chance zu sehen und den Mitarbeitern Auszeiten zu ermöglichen, wenn diese benötigt werden. Gleichzeitig sollen diese die Chance erhalten, genau dann arbeiten zu können, wenn sie am produktivsten sind. Auf diese Weise können Führungskräfte die Veränderung in der Arbeitswelt im Hinblick auf hybrides Arbeiten sinnvoll nutzen und ebenso wie Mitarbeitende von den Vorteilen dieser „New Work“ profitieren.

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Verfasst von Niklas

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