Lebensarbeitszeitkonto

Das Lebensarbeitszeitkonto ermöglicht längere Freistellungen von der Arbeit und trägt so zur Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit bei. Jetzt zu Vorteilen und Nachteilen informieren!
Lebensarbeitszeitkonto

© Proxima Studio / Adobe Stock


Immer mehr Deutsche tragen sich mit dem Gedanken, früher in Rente zu gehen. Das Lebensarbeitszeitkonto kann diesen Wunsch Realität werden lassen, denn es ermöglicht Arbeitnehmern, Arbeitsentgelt anzusparen und eine bezahlte Freistellung zu erwirken. Wie das funktioniert, was Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedenken sollten und wer ein Lebensarbeitszeitkonto einrichten kann, verrät der Artikel.

Definition: Was ist ein Lebensarbeitszeitkonto?

Ein Lebensarbeitszeitkonto – auch Zeitwertkonto genannt – ermöglicht längere Freistellungen von der Arbeit und trägt so zur Flexibilisierung der Lebensarbeitszeit bei. Zunächst wird Arbeit angespart, später erfolgt eine Freistellung. Entweder wird dabei die reguläre Arbeitszeit reduziert oder das Arbeitsverhältnis ruht vollständig.

Für welche Freistellungszwecke wird die angesparte Arbeitszeit genutzt?

Häufig genutzte Freistellungszwecke sind:

Welche anderen Formen von Arbeitszeitkonten gibt es?

Nach § 10 TVöD / TV-L haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, sogenannte Arbeitszeitkonten zu führen. Diese sollen zu einer Arbeitszeitflexibilisierung beitragen.

Man unterscheidet zwischen Kurzzeit- und Langzeitkonten. Kurzzeitkonten dienen der kurzfristigen Bewegung und Verbuchung von Plus- und Minusstunden. Diese müssen innerhalb eines bestimmten Zeitraums – häufig eines Jahres – ausgeglichen werden. Hat man Plusstunden angesammelt, findet der Ausgleich meist in Form von Freizeit mit einem Zeitausgleich statt. Bei Minusstunden erfolgt der Ausgleich in Form von Mehrarbeit.

Wie funktioniert das Lebensarbeitszeitkonto?

Auf Lebensarbeitszeitkonten sparen Arbeitnehmer langfristig Arbeitszeit, also Plusstunden, an. Es geht also nicht um einen schnellen Ausgleich verlorener oder geleisteter Arbeitszeit. Stattdessen sollen Arbeitnehmer beispielsweise die Möglichkeit erhalten, vorzeitig aus dem Job auszusteigen. Das bedeutet, der Ausgleich der gesammelten Plusstunden wird an das Ende des Berufslebens gelegt. Man arbeitet so lange wie möglich „auf Vorrat“, um das Angesparte zu einem späteren Zeitpunkt für diverse Vorhaben nutzen zu können.

Als „Währung“ für Einzahlungen auf das Lebensarbeitszeitkonto dienen sowohl Zeit als auch Geld. Das Wertguthaben kann folgende Bestandteile umfassen:

  1. Gehalt bzw. Bestandteile davon
  2. Überstunden oder ihre Vergütung
  3. Urlaubstage (Erholungsurlaub)
  4. Urlaubsgeld
  5. Leistungsprämien
  6. Weihnachtsgeld
  7. sonstige Arbeitgeberzuschüsse

Arbeitnehmer müssen beim Einzahlen keinerlei Steuern oder Sozialversicherungen auf das Lebensarbeitskonto zahlen. Erst bei der Auszahlung des angesammelten Guthabens fallen entsprechende Zahlungen an.

Wie funktioniert die Auszahlung?

Unabhängig davon, wofür der Arbeitnehmer Arbeitszeit anspart: Für die Dauer der Freistellung bezieht er weiterhin ein Entgelt. Dabei gilt, dass die Dauer der Freistellung von der Höhe des Auszahlungsbetrags abhängt. Schließlich stammt dieses aus dem Wertguthaben des Lebensarbeitskontos.

Einzige Bedingung für die Auszahlung
Das ausgezahlte Entgelt darf nicht unangemessen vom jeweiligen Durchschnittsgehalt abweichen, das in den zwölf Monaten zuvor verdient wurde. Das heißt, das Entgelt darf 70 bis höchstens 130 Prozent des regulären Gehalts betragen. Für Vollzeitkräfte liegt es bei mindestens 450 Euro im Monat.

In welchen Branchen ist ein Lebensarbeitszeitkonto üblich? 

Die Regularien zur Führung eines Lebensarbeitszeitkontos sind für Arbeitgeber recht kompliziert. Aus diesem Grund bieten hauptsächlich größere Unternehmen ihren Mitarbeitern diese Möglichkeit. Einige Tarifverträge – beispielsweise in der Metall-, Elektro- und Chemie-Industrie – beinhalten bereits entsprechende Regeln.

Eine andere Möglichkeit für die Flexibilisierung der Arbeitszeit stellt die so genannte Wahlarbeitszeit dar. Mit diesem Konzept können Arbeitnehmer freiwillig ihr Arbeitsvolumen senken. Ein Beispiel ist der Tarifabschluss der IG Metall im Jahr 2018, der den Angestellten mehr Wahlmöglichkeiten bei der wöchentlichen Arbeitszeit gewährte.

Wie die Arbeitszeit dem Leben angepasst werden kann

In der Regel nimmt man in die getroffene Vereinbarung auch die beabsichtigte Verwendung des Zeitguthabens auf. Viele Angestellte nutzen die angesparte Lebensarbeitszeit, um eine Weiterbildung zu absolvieren oder ein Sabbatical zu machen und auf Reisen zu gehen. Immer mehr Deutsche gehen zudem früher in Rente oder nehmen ihre gesetzlichen Freistellungsrechte wie Pflege- oder Elternzeiten wahr.

Wer kann ein Lebensarbeitszeitkonto nutzen?

Arbeitnehmer, die ein Lebensarbeitszeitkonto führen wollen, müssen dies mit ihrem Arbeitgeber besprechen und schriftlich vereinbaren. Außerdem lohnt sich der Blick in den Tarifvertrag oder die Betriebsvereinbarung: Häufig sehen solche allgemeinen Vereinbarungen das Ansammeln von Lebensarbeitszeit schon vor.

Gibt es rechtliche Rahmenbedingungen?

Arbeitnehmer können Überstunden nur dann auf einem Guthabenkonto ansparen, wenn es entsprechende arbeitsvertragliche Regelungen gibt. Grundlage für den Anspruch sind also entweder eine freiwillige Zusage des Arbeitgebers oder aber eine Betriebsvereinbarung. Das bedeutet, dass die Rahmenbedingungen in einer Vereinbarung festgehalten und sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Mitarbeiter unterschrieben werden müssen.

Darüber hinaus müssen Arbeitszeitkonten den Vorgaben zur flexiblen Arbeitszeit, dem Mindestlohngesetz und dem Arbeitszeitgesetz entsprechen. Grundsätzlich gilt, dass alle Angestellten eines Unternehmens an einer solchen Vereinbarung teilnehmen können. Dazu gehören Voll- und Teilzeitkräfte, Mitarbeiter mit einem befristeten Arbeitsvertrag wie auch Personen mit Minijob.

Lebensarbeitszeitkonto: Wie genau funktioniert die Auszahlung?

Während der Freistellung erhält der Arbeitnehmer das zuvor angesparte Wertguthaben ausgezahlt. Dabei darf das Entgelt nur 70 bis maximal 130 Prozent des jährlichen Durchschnittgehaltes betragen. Vollzeitkräfte erhalten mindestens 450 Euro pro Monat.

Was passiert bei Insolvenz des Unternehmens?

Selbst wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig wird, verfällt das Zeitguthaben auf dem Lebensarbeitszeitkonto nicht. Der Grund: Unternehmen sind verpflichtet, die Lebensarbeitszeitkonten ihrer Mitarbeiter gegen den Insolvenzfall abzusichern. Bei dieser Aufgabe helfen zum Beispiel Versicherungen, Banken oder aber ein Treuhandmodell.

Was passiert mit dem Langzeitkonto bei Kündigung?

Hat der neue Arbeitgeber ebenfalls ein System zur langfristigen Arbeitszeiterfassung (Langzeitarbeitszeiterfassung), kann das Zeitguthaben auf dem Lebensarbeitszeitkonto zur neuen Stelle mitgenommen werden. Sollte der neue Arbeitgeber kein Lebensarbeitszeitkonto anbieten, haben Arbeitnehmer folgende Möglichkeiten:

  • Auszahlung des Guthabens
  • Übertragung das Guthabens auf die Deutsche Rentenversicherung

Das Guthaben kann nur ausgezahlt werden, wenn der neue Arbeitgeber es ablehnt, das Zeitwertguthaben zu übertragen.

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Vorteile und Nachteile im Überblick

Auf den ersten Blick scheinen die Vorteile eines Lebensarbeitszeitkontos überwältigend zu sein. Schaut man genauer hin, zeigt sich zum Beispiel, dass der administrative Aufwand für die Kontoführung recht hoch ist.

Wie profitieren Mitarbeiter von einem Lebensarbeitszeitkonto?

Im Vergleich zu privaten Vorsorgemodellen punktet das Lebensarbeitszeitkonto mit einer höheren Rendite. Das bedeutet, es ist eine Entlastung, da finanzielle Einbußen bei früherem Renteneintritt vermieden werden.

Modelle von Lebensarbeitszeitkonten geben Arbeitnehmern die Chance, sich eine längerfristige Auszeit zu nehmen, die sozialversicherungsrechtlich geschützt ist. Arbeitnehmer können langfristig planen und das Arbeitszeitmodell an ihre individuelle Situation anpassen. Davon profitieren sowohl Mitarbeiterzufriedenheit als auch Work-Life-Balance.

Wie profitieren Arbeitgeber von einem Lebensarbeitszeitkonto?

Mit einem Lebensarbeitszeitkonto für die Mitarbeiter genießen Arbeitgeber mehr Spielraum bei der Planung der verfügbaren Arbeitszeit. So können sie zum Beispiel den Personaleinsatz so gestalten, dass weniger Überstunden und hauptsächlich Normalarbeitszeiten anfallen. Das resultiert in einem wirtschaftlichen Vorteil, der zugleich Arbeitsplätze sichert. Außerdem wird das Unternehmen agiler, wenn es um saisonale Schwankungen (Saisonarbeit) und Auftragsspitzen oder Kundenfrequenzen geht. Dies ist letztlich auch ein Vorteil für die Qualität von Kundenservice, Leistung und Produkt.

Welche Nachteile bringt ein Lebensarbeitszeitkonto mit sich?

Es ist möglich, dass von der Versicherungspflicht befreite Arbeitnehmer ihr Gehalt durch die Einzahlungen auf das Langzeitkonto so weit senken, dass es unter die Beitragsbemessungsgrenze fällt. In diesem Fall gilt wieder die gesetzlich Versicherungspflicht. Aus diesem Grund sollte man die Sinnhaftigkeit eines Lebensarbeitszeitkontos im Einzelfall immer individuell prüfen.

Ist ein Lebensarbeitszeitkonto sinnvoll?

Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren von der besseren Vereinbarkeit von Arbeitszeiten, individueller Lebenssituation der Mitarbeiter und aktueller Auftragslage des Unternehmens.

Außerdem können Arbeitgeber, die das Führen eines solchen Arbeitszeitkontos ermöglichen, die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter mit diesem größeren Gestaltungsspielraum häufig deutlich steigern. Zwischenzeitliche Auszeiten schützen darüber hinaus vor Burnout und erhalten die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer langfristig.

Warum sich Langzeitkonten nicht für jeden lohnen

Trotzdem sollte man auch daran denken, dass bei Kündigung und Arbeitgeberwechsel die Übernahme des Arbeitszeitkontos neu beantragt werden muss. Der neue Arbeitgeber muss dem Antrag zustimmen. Gerade kleinere Betriebe wollen den administrativen Aufwand häufig nicht eingehen. Es kann also auch sein, dass das Lebensarbeitszeitkonto nicht übernommen wird. Das bedeutet, dass das Lebensarbeitszeitkonto immer auch eine gewisse Abhängigkeit zum Arbeitsverhältnis darstellt.

Hinzu kommt, dass Arbeitnehmer, die regelmäßig auf ihr Lebensarbeitszeitkonto einzahlen, auf einen Teil Ihres Lohns oder Sonderzahlungen verzichten. In jedem Fall sollte man daher zu Beginn sichergehen, dass man auch während des Sparzeitraums finanziell abgesichert sind.



Verfasst von Sandy Lanuschny

Den Mehrwert von Papershift stets im Blick, versorgt Euch Sandy mit spannenden Beiträgen zu den Themen Dienstplanung und Zeiterfassung.